Fakt oder Fake: Leere Strände auf der Krim?

Unabhängige Onlinezeitung in Kiew untersucht Berichte des ukrainischen Fernsehens

Große ukrainische Medien – übrigens meist in den Händen der Euromaidan-Oligarchen – berichten nicht ohne Häme aktuell über leere Strände und ein maues Tourismusgeschäft auf der nun unabhängigen Krim in Folge des Wechsels. Bevor große deutsche Medien das abschreiben, würde ja gut in die eigene Berichterstatttung passen, unterziehen wir die Behauptung in unserer Reihe „Fakt“ oder „Fake“ einem Wahrheitstest.

Russische statt westliche Urlauber

Da stoßen wir zunächst auf einen Bericht der unabhängigen Kiewer Onlinezeitung Politnavigator. Die schaut auch ukrainisches Fernsehen und hat dann gleich mal auf der Krim selbst recherchiert und sich mit Hoteliers und Tourismusexperten auf der Krim  unterhalten. Mit für westliche Leser überraschendem, für russische woh eher erwartetem Ergebnis. Keiner berichtet von einem signifikanten Rückgang der Buchungszahlen. Der Grund ist recht einfach. Die Touristen auf der Krim waren immer mehrheitlich Russen mit Minderheiten aus der Ukraine selbst, China, Israel und den USA. Der starke Rückgang an ukrainischen und ausländischen Touristen wurde nach Auskunft mehrerer Hoteliers wett gemacht von gestiegenen Buchungszahlen russischer Urlauber. Sergej Golinsky, Chef eines Hotels in Sewastopol, berichtet sogar von 20-25 % mehr Gästen als 2013, außerhalb Sewastopols scheinen die Zahlen gleich zu bleiben gegenüber der Vorsaison. Das ist nicht verwunderlich, denn die neuen russischen Touristen dürften nicht nur Badeurlauber, sondern auch Patrioten sein und Sewastopol hat für solche eine besondere Bedeutung.

Logistische Probleme im Tourismus

Ein Sprecher des Tourismusverbandes beklagt, dass sehr viele Leute kommen wollen, aber angesichts der momentan prekären Verkehrsanbindung der Halbinsel nicht können. Das Flugangebot aus Russland sei gestiegen, aber nicht ausreichend, die Fähren aus Russland komplett überlastet und eine Anreise über die Festlands-Ukraine nicht mehr möglich. Auch kämen fast keine Urlauber mehr per Bahn, was bis 2013 der häufigste Weg gewesen sein. Innerhalb der Halbinsel gäbe es momentan Logistikprobleme bei der Organsation von Touren. Die Sprecherin eines Hotelverbandes spricht von einer sehr ungleichen Verteilung der Gäste momentan. Hotels, die sich auf Touristen aus dem nichtrussischsprachigen Ausland spezialisiert hätten seien aktuell wirklich leer, dafür andere voller als sonst.

Bestätigung vor Ort

Was schreibt die Presse auf der Krim selbst dazu? Meldungen über den Rückgang von Urlauberzahlen konnten wir leider keine recherchieren. Wir fanden aber Meldungen, die darauf hindeuten, dass der Bericht des Politnavigators der Wahrheit entspricht. So schreibt Allcrimea.net, übrigens einst ein großer Gegner des Wechsels nach Russland, von einer Verdreifachung der Fluggastzahlen von und nach Russland auf dem Flughafen Simferopol, Krym.net berichtet von einem verordneten Stop aller Bauarbeiten in der Touristenstadt Jalta, um die Abwicklung der Urlauberströme in der beginnenden Hauptsaison nicht zu stören.

Die übrigen Onlinezeitungen beschäftigen sich wohl noch nicht umfangreich mit Urlauberzahlen, da die Saison gerade erst beginnt. Das wird auch der Grund sein, warum ukrainische TV-Sender in den letzten Wochen noch die Gelegenheit hatten, leere Strände zu filmen für ihre eigenen Propagandameldungen. Wenn die ARD da noch nachziehen will, sollte sie Frau Atai schnell hin schicken, bevor im Juni die Strände voller werden. Leere Hotels lassen sich aber mit Sicherheit in ehemaligen Domizilen von Amerikanern auch noch danach finden. Oder an der südukrainischen Festlandsküste – man kann ja notfalls ein wenig „schummeln“ für einen guten Zweck wie den Euromaidan.

Foto: Russische Urlaber in Odessa 2013, (c) RT