Exkanzler Schröder drängt auf Antwort der russischen Anfrage zu Nawalny

Exkanzler Schröder drängt auf Antwort der russischen Anfrage zu Nawalny

Gerhard Schröder, ehemaliger Bundeskanzler von Deutschland, Vorsitzender von Rosneft und Verwaltungsratschef der Nord Stream AG, hat die deutschen Behörden aufgefordert, Russland im Rahmen der Rechtshilfe Informationen über Alexei Nawalny zur Verfügung zu stellen, berichtete DIE ZEIT unter Berufung auf eine neue Folge seines Podcasts „Gerhard Schröder – Die Agenda“.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur dpa unter Bezugnahme auf einen offiziellen Vertreter im deutschen Justizministerium berichtete, dass die deutsche Regierung das dritte Rechtshilfeersuchen Russlands zu Nawalny prüfe, das am Freitag eingegangen sei.

„Dies ist ein ganz normaler Vorgang, über den wir nicht weiter diskutieren sollten“, zitiert die dpa Schröders Worte.

Er sprach sich auch gegen eine Verknüpfung der Situation um Nawalny mit dem Nord Stream 2-Projekt aus. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagte Schroeder und wies darauf hin, dass zehn Milliarden Euro verschwendet würden, wenn das Projekt nicht zu Ende geführt werde. „Wir müssen unsere Energieversorgung sicherstellen. Und ich verstehe nicht, wie dies ohne Russland zu vernünftigen Preisen geschehen soll.“ Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz  und Wirtschaftsminister Peter Altmaier haben sich inzwischen gegen ein Ende von Nord Stream ausgesprochen. Schröder begrüßte das: „Ich hoffe, die Bundesregierung bleibt bei dieser Position, denn sie ist im Interesse Deutschlands.“

„Was jetzt getan wird, ist im Wesentlichen Spekulation, denn … es gibt keine bestätigten Fakten“, sagte er auch, als er die Berichte über die Vergiftung durch Nawalny kommentierte.

Am 20. August wurde Nawalny in Omsk ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem er in einem Flugzeug kollabiert war. Nach den Untersuchungsergebnissen nannten die Omsker Ärzte als Hauptdiagnose eine Stoffwechselstörung, die eine starke Veränderung des Blutzuckers verursachte. Was die Ursache dafür war, ist noch nicht klar, aber nach Angaben der Ärzte in Omsk wurden in Nawalnys Blut und Urin keine Gifte gefunden.

Später wurde er mit einem Flugzeug nach Deutschland transportiert. Danach gab die deutsche Regierung der BRD unter Berufung auf Militärärzte bekannt, dass Nawalny angeblich mit dem chemischen Kampfstoff Nowitschok in Kontakt gekommen sei. Später berichtete Berlin, dass die Schlussfolgerungen deutscher Sachverständiger von je einem schwedischen und französischem Labor bestätigt wurden. Parallel dazu führt die OPCW auf Ersuchen Berlins eigene Forschungen durch. In diesem Zusammenhang erklärte der Kreml, Berlin habe es versäumt, Moskau über seine Erkenntnisse zu informieren. Das russische Außenministerium betonte, dass Russland auf eine Antwort Deutschlands auf eine offizielle Anfrage zu dieser Situation warte.

[hrsg/russland.NEWS]

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