Europaspiele in Baku: Russland „erringt“ sich die ersten Goldmedaillen

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Baku – Der zweite Wettkampftag der ersten Europaspiele stand ganz im Zeichen des wendigen Kraftsports. Ringen, Griechisch-Römisch – eine der klassischen Disziplinen der Olympischen Spiele seit der Antike, die sich mittlerweile als sportliche Domäne des Kaukasus etabliert hat. Da sollten eigentlich die Hausherren die Nase vorn haben, sollte man denken. Nein, die Russen waren es, die in dieser Disziplin das Gold nach Hause trugen.

Den Auftakt machten die Leichtgewichte der Disziplin. Stepan Maryanyan heißen die 59 Kilogramm mit bürgerlichem Namen, die die erste Goldmedaille für Russland bei diesen Spielen festmachen konnten. Maryanyan, aus dem Krasnodarsker Umland stammend, konnte sich souverän nach 3:0 Punkten gegen den Weißrussen Soslan Daurov im alles entscheidenden Endkampf durchsetzen. Das erste Gold für Russland hier in Baku war eingesackt. Den dritten Platz errang Tarik Belmadani aus Frankreich zusammen mit dem Platzhirsch Elman Mukhtarov.

Heiter weiter in der Goldparade ging es bei den 80 Kilogrämmern. „Ich widme meinen Sieg meinen Eltern, meinen mir Nahestehenden und ganz besonders meinem kleinen Sohn, der sieben Monate alt ist. Wegen der Vorbereitungen habe ich ihn für lange Zeit nicht gesehen.“ Pathetische Worte von Evgeny Saleev, einem 26-Jährigen aus Saransk. Einer Stadt, die sich bislang besonders in der Leichtathletik-Disziplin des Gehens hervorgetan hat. Nichtsdestotrotz hat Saleev seinen Kontrahenten Rafig Huseyn im Finale ebenfalls mit 3:0 Punkten auf die Matte gelegt. Huseyn galt dummerweise allerdings als aserbaidschanischer Lokalmatador. Die Bronzemedaille durften sich dann Daniel Aleksandrov aus Bulgarien und der Weissrusse Viktar Sasunouski teilen.

Aserbaidschan und Russland gegen den Rest der Welt

Und dann gab es ja auch noch die „Königsdisziplin“ dieser Sportart. Das ultimative Schwergewicht, die „Rough Boys“ unter den griechisch-römischen Ringern, wenn man so will. Quasi die Dampfwalze, unter die man nicht geraten möchte, weil sie einen so oder so immer überrollt. 98 Kilogramm schwer, durchtrainiert und obendrein auch noch wendig und auf Zack. Islam Magomedov heißt er, der Russe, der aus dem Oblast Rostow. Er lieferte auch den beeindruckendsten Kampf in diesem Wettbewerb.

Magomedov wies zuerst den deutschen Vizeweltmeister Oliver Hassler in seine Grenzen, bevor er sich seinen Weg über Estland, Aserbaidschan, die Türkei und die Ukraine ebnete. Der unglückliche Zweite, den Magomedov auf die Matte legte ist seines Zeichens Ukrainer und sah in diesem Finale zugegeben ziemlich alt aus. Dimitriy Timchenko war der tapfere Verlierer gegen den 24-Jährigen Russen im Finale. Sauber und durchaus fair wurde der Ukrainer von dem zweimaligen Weltmeister der Junioren von den Füssen gehebelt und verlor ebenso mit 0:3 Punkten gegen Magemedov. Auch bei diesem Wettkampf gab es wieder zwei lachende (?) Dritte. Der Franzose Melonin Noumonvi durfte sich am Ende das Treppchen mit Cenk Ildem aus der Türkei teilen.

Als Fazit dieses Wettkampftages bleibt zu erwähnen, dass sich Russland und der Gastgeber Aserbaidschan die vier Medaillen, die zu vergeben waren, redlich geteilt haben. Auch wenn die Hausherren bei den drei direkten Begegnungen mit den ambitionierten Russen den Kürzeren gezogen haben, Edelmetall ist ihnen gewiss: Rasul Chunayev durfte sich in der 70 Kilogramm-Klasse seine Goldmedaille umhängen lassen, Huseynov holt Silber und Elman Mukhtarov macht den Dritten. Die „Aseris“ jedenfalls waren zufrieden.

Jetzt sollten wir fairerweise aber dann doch auch sagen, dass sich Russland heute zumindest beim Volleyball blamiert hat, schlichtweg vorführen ließ, einfach nur abgekoffert wurde. Mit 3:1 gewann das Damenteam aus Holland gegen die amtierenden Europameisterinnen Russlands, deren Blick nun einzig auf das Spiel gegen Bulgarien am kommenden Montag gerichtet sein kann. Aber wie dem auch sei, es war ohnehin ein bunter Ringerabend in der Heydar Aliyev Arena zu Baku und auch wir werden unser Bestes geben, Sie weiterhin auf dem Laufenden zu halten.

[mb/russland.RU]

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.