Europaspiele in Baku beendet – Russland heimst das Gold

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Baku – Nun, es ist zwar nicht gerade das Zarengold, das plötzlich wieder aufgetaucht wäre, aber es ist ja auch nicht alles Gold was glänzt. Denn, auch das muss man unumwunden zugeben, geglänzt haben diese ersten Europaspiele im aserbaidschanischen Baku mit Sicherheit nicht. Mit Glanz und Gloria konnte diese ehrgeizige, wie umstrittene Veranstaltung in keinster Weise aufwarten.

Aber kommen wir erst zu dem sportlichen Teil. Diese Spiele wurden von Russland dominiert, das zeigt alleine schon die Medaillenausbeute. Insgesamt 164 Trophäen durfte der russische Sportverband für sich verbuchen. Davon 79 Goldmedaillen, 40 silberne und 45 aus Bronze. Die Bilanz kann sich sehen lassen. Gastgeber Aserbaidschan belegte mit 56 Medaillen, davon 21 Goldenen, den zweiten Platz bei der Endabrechnung. Die Ränge hinter den beiden verteilen sich auf Großbritannien, Deutschland und Frankreich.

Am dominantesten war Russland in den Schwimmwettbewerben. Da gab es gleich 23 Goldene von insgesamt 42 gewonnenen Medaillen. Und die russischen Ringer in allen Gewichtsklassen durften sich die nächsten 11 Goldmedaillen umhängen lassen. Dumm nur, dass Ringen eigentlich die Königsklasse der Gastgeber ist. Nicht dass es deswegen böses Blut gegeben hätte, nein nein. Aber es erlaubt einen Rückschluss auf das Zuschauerinteresse dieser Europaspiele abseits der beiden populären Sportarten in Aserbaidschan, Ringen und Turnen.

Stell dir vor es sind Europaspiele und keiner geht hin

Eben dieses Interesse war nämlich, gelinde ausgedrückt, mehr als lausig in Baku. Auch wenn die Spielstätten laut Veranstalter zu drei Vierteln ausverkauft gewesen sein sollen, waren bei vielen der Wettbewerbe augenscheinlich mehr Betreuer als Zuschauer anwesend. Dieser „wichtigste Moment in der Geschichte von Aserbaidschan“, wie sich der Sportminister Azad Rahimov stolz aus dem Fenster lehnte, war für viele dann so wichtig scheinbar nicht. Die meisten Sportverbände reisten mit ihren B- und C-Teams an und auch dem Gros der Athleten schien der Termin eher lästig zu sein.

Dabei haben sich doch die Offiziellen so bemüht einen makellosen Eindruck zu hinterlassen. Und vor allem nicht gespart. 85 Millionen Euro soll alleine die Eröffnungsfeier gekostet haben. Böse Zungen munkeln von insgesamt neun Milliarden Euro Kosten, die für diese Europaspiele auf der Sollseite zu verbuchen sind. An dem durch die Bank fragwürdigen Image ändern auch die pathetischen Worte des irischen Präsidenten des Europäischen Olympischen Komitees, Patrick Hickey, nichts, der der Meinung war, dies sei der stolzeste Moment in der Historie des Verbandes.

„Ein Zeichen für den europäischen Sport“ wollte er setzen. Deshalb ist die zweite Auflage dieser fragwürdigen Spiele 2019 in Istanbul, Kasan oder Minsk bereits fest in Planung. Allerdings drängt sich hier nicht nur den Zweiflern die Frage auf: Wen interessiert es überhaupt?

Jedoch, es gibt dennoch etwas positives aus Baku zu berichten. Der ukrainische Gymnastik-Turner Oleg Vernayev gab in einem Interview offenherzig zu: „Die Russen helfen dem ukrainischen Team! Die ukrainische Regierung tut praktisch nichts für die ukrainischen Sportler. Uns helfen Athleten aus Russand. Sie unterstützen uns mit Ausrüstung, Medikamenten, Verbandsmaterialien. Sie wissen, dass wir all das nicht haben. All die vielen Medaillen die wir gewonnen haben, wären ohne diese Hilfe kaum denkbar.“ Na also, es geht doch…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.