Europäische Investoren auf dem Rückzug

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Die europäischen Unternehmen reduzieren ihre Investitionen in Russland Das geht aus einer  gemeinsamen Umfrage des Verbandes der europäischen Wirtschaft in Russland (АЕB) und der Marktforschungsgesellschaft GfK-Rus zur Strategie und Perspektive der europäischen Unternehmen in-Russland hervor.

Deren Generaldirektor, Alexander Demidow: „Der Geschäftsklima-Index, die Erwartungen und Einschätzungen der laufenden Situation sind im Vergleich zum Vorjahr niedrig. Hier wirken sich zwei Faktoren aus – die Stagnation der russischen Wirtschaft und die Ukraine-Krise. Die Unternehmensstrategie ist heute von Zurückhaltung geprägt, man behält, was da ist, nimmt aber keine neuen Projekte in Angriff. Die Stimmung des europäischen Business bleibt jedoch insgesamt positiv. Und was wichtig ist: die kurzfristigen Erwartungen sind gering, die mittelfristigen gut und die langfristigen ausgezeichnet.“

Die Mehrheit von ihnen glauben nicht, dass in zwei nächsten Jahre die russische Wirtschaft Perspektiven hat, aber auf den Zeitraum ändert sich die Prognose.

Die Umfrage wurde im März-April 2014 durchgeführt, nach dem Beginn der Krimkrise. Die Mehrheit der Befragten – Manager von Unternehmen aus Deutschland, Frankreich und Finnland. – sind in Russland auf dem Markt, aber nur ein Viertel hat eine eigene Produktion. Die meisten von ihnen hatten im vergangenen Jahr einen Umsatz von über 100 Mio. Euro.

Insgesamt fühlen sich die Europäer in Russland ganz wohl in Russland: 72 % der Befragten einen erwarten ein Umsatzwachstum, 52 % einen Gewinnzuwachs. Allerdings war, so die Auswertung, vor einem Jahr die Zahl der Optimisten noch größer – 89 bzw. 72 %. Ungeachtet der abgebremsten Wachstumsraten des BIP, nahm der Anteil jener zu, die das Erreichen des Rentabilitätsniveaus innerhalb von nur ein bis drei Jahren erwarten. Vor Jahresfrist waren es 56 % bzw. 44 %.

Von der nahen Zukunft erwarten die ausländischen Unternehmen nicht allzu viel. Weniger als ein  Viertel sprechen von neuen Investitionen in den nächsten zwei bis drei Jahren. Die Mehrheit will das Niveau des vorigen Jahres beibehalten oder sieht sich gezwungen, sie zurückzufahren. Für Russland insgesamt werden die Aussichten noch düsterer bewertet: 40 % der Respondenten meinen, dass es in den kommenden drei Jahren mit den Investitionen nur bergab geht. Zum Vergleich: Bei der Umfrage im letzten Jahr waren es nur zwölf Prozent, im vorletzten neun Prozent.

Bei der Schlüsselfrage der Untersuchung nach den Wirtschaftsaussichten Russlands vermuten 61 % der europäischen Wirtschaftsvertreter, dass sie sich in den nächsten beiden Jahren weiter eintrüben werden. Im Zeitraum von drei bis fünf Jahren stehen 21 % Skeptikern immerhin 42 % Optimisten gegenüber 42 %. In der langfristigen Perspektive von sechs bis zehn Jahren gehen 69% der Befragten davon aus, dass sich die Wirtschaft Russlands wieder gefestigt hat.

„Der Einbruch bei einer Reihe von  wirtschaftlichen Kennziffern wurde durch die komplizierter gewordene politische und ökonomische Situation sowie die Ereignisse um die Ukraine hervorgerufen“, schlussfolgern die Verfasser. „Fast die Hälfte der Unternehmen haben festgestellt, dass sich die Krise um die Ukraine negativ auf ihre unternehmerische Tätigkeit in Russland auswirkt“ heißt es in der Studie von АЕB und GfK.

Die Krise in der Ukraine – das Problem des ganzen Business, stimmt der Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Russland Alex Rodsjanko zu. „Er beeinflusst durch die Sanktionen und durch die allgemeine Stimmung negativ. Zum Beispiel, der Import der Waren aus den USA, der die Exportlizenzierung von der amerikanischen Seite fordert, entweder ist schon eingestellt, oder wird bald eingestellt sein, weil die neuen Lizenzen nicht ausgegeben werden, und alt werden“ nicht erneuert, – bemerkt er. Zu solchen Waren verhalten sich, zum Beispiel, einige Flugtechnologien und die Elektronik, die für „оборонки“ verwendet wird.

Die ukrainisch-russische Krise und die jetzigen begrenzten Sanktionen haben offenbar den Tourismus, die Handels- und Finanzoperationen von kleinen und mittleren Unternehmen bereits   beeinflusst, meint die Chefökonomin von Oxford Analytica, Vanessa Rossi. Ihren Worten zufolge fürchten viele Unternehmen, einschließlich der großen, dass sie sowohl Objekt der Sanktionen, als auch Objekt der Kritik werden können, was unter den Bedingungen der  instabilen Wirtschaftssituation besonders unangenehm ist. Das habe eine rückläufige Tendenz bei Investitionen in Russland bewirkt, die deutlicher ausgeprägt sei, als die Tendenz zur Verringerung des Außenhandels.

„Bei der Sitzung des Konsultativrates für ausländische Investitionen in Tatarstan, zeigte sich, dass diejenigen, die bereits in Russland arbeiten, nicht beabsichtigen, wegzugehen und Pläne für die Zukunft schmieden. Anderenfalls hätten sie auf dieser Veranstaltung nicht so vehement mit der Regierung darüber diskutiert, was in der russischen Gesetzgebung und der staatlichen Regulierung ändern muss, um das Investitionsklima zu verbessern“, ließ der Erste Vizepremierministers Igor Schuwalow verlauten, der im Kabinett für die Investitionspolitik zuständig ist.