Erneut schwere Kämpfe im Donbass

Foto: commons.wikimedia/Frest777 CC BY-SA 4.0
image_pdfimage_print

Eine Zeitlang war es ruhig um den Konflikt im Donbass. Fast hätte man glauben können, es sei etwas Ruhe eingekehrt, hätten die Waffen mittlerweile geschwiegen. Die Ruhe war trügerisch. Andere Krisenherde sind in den Fokus der Medien und der Öffentlichkeit gerückt, haben das Töten in der Ukraine übertüncht.

Nun, unmittelbar vor Weihnachten keimen sie wieder auf, die Kämpfe um ein paar Meter Boden im verschneiten Matsch von Debalzewo. Die heftigen Gefechte gehen unvermindert weiter, ob sie nun beachtet werden oder nicht. Die traurige Bilanz bisher: Über 100 Tote und mehr als 400 verletzte Soldaten. Wohlgemerkt innerhalb von drei kurzen Tagen. Aus Kiew indes hört man lapidar, es handele sich allerhöchstens um fünf bis sieben Getötete. So kurz vor Weihnachten hört sich das, wenn auch nicht glaubwürdiger, aber auf jeden Fall irgendwie besser an und mit dem Rest des Volkes, der noch an das Gute in der ukrainischen Regierung glaubt, will man es sich ja nicht auch noch verscherzen.

Nachdem der ukrainische „Blitzkrieg“ sichtlich ins stocken geraten ist und einmal mehr in einer Kesselschlacht festgefahren ist, wird kompetente Amtshilfe mehr als sehnlichst erwartet. In die Hand genommen hat dies Michael Fallon, der Verteidigungsminister des Vereinigten Königreiches, indem er am 20. Dezember verkündete, dass das britische Militärprogramm zu Trainings- und Ausbildungszwecken ukrainischer Patrioten um ein weiteres Jahr, also bis 2018, verlängert wird. Bereits seit 2015 finden auf dem Territorium der Ukraine „erfolgreiche“, wie es heißt, Übungen mit westlicher Unterstützung statt.

Der Tod vor Weihnachten

Rechtzeitig zum Fest, das eigentlich der Familie gewidmet sein sollte, informierte Aleksandr Kofman, der scheidende Außenminister der Volksrepublik Donezk (DNR), mit einem Aufruf die Angehörigen der ukrainischen Soldaten, die an der Front kämpfen – oder eben auch nicht mehr. „Achtung an alle Eltern, deren Kinder in der Zone der so genannten „Anti-Terror-Operation“ (ATO) kämpfen. Ruft eure Kinder an. Mehr als 100 von euch werden sich wundern, dass euer Ein und Alles nicht rangeht. Weil man es noch nicht geschafft hat, eine Telefonleitung ins Jenseits zu verlegen. Die Militärführung der ATO lügt euch an. In Folge einer Offensive auf die Stellungen der Volksmilizen wurden aktuell über 100 ukrainische Soldaten getötet. Mehr als 400 wurden mit Verletzungen verschiedenen Grades ins Krankenhaus von Artemowsk gebracht!

Zugegeben, dieser Aufruf mag zynisch klingen, aber er beschreibt die aktuelle Lage an der Front, im Kriegsgebiet Donbass nur zu allzu trefflich. Der Kesselschlacht bei Debalzewo vorausgegangen seinen permanente Provokationen seitens der ukrainischen Armee, heißt es aus den Reihen der Rebellen. Bereits am 18. Dezember meldete das Verteidigungsministerium der Luhansker Volksrepublik: „Die Kampfhandlungen geschehen in fünf Kilometer Entfernung von Debalzewo, in der Nähe der Ortschaft Kalinowka. Das ukrainische Militär unternahm den Versuch einer Offensive. Nach vorläufigen Schätzungen verloren die ukrainischen Streitkräfte bereits 30 Kämpfer und 2 Kampftechnik-Einheiten.“

Der Ex-Kommandeur der Armee der Donezker Volksrepublik Igor Bezler informiert die Öffentlichkeit nur zwei Tage später mit noch grausameren Fakten. „Das Leichenhaus von Artemowsk ist abgeriegelt. Anhand von Mobiltelefonen wird nach Fotos und Privatnachrichten der Soldaten gesucht. Das Krankenhaus von Artemowsk ist mit Verletzten überfüllt. Die Leichen werden aus Artemowsk mit LKWs in unbekannte Richtung weggebracht…“ Private Aussagen ukrainischer Soldaten bestätigen die Nachrichten aus den Kampfgebieten Logwinowo, Kalinowka und Grjazewskij. Demzufolge wurden bereits in den ersten zwei Tagen der Anti-Terror-Offensive dutzende Gefallene aus den Reihen der Streitkräfte der Ukraine in das Leichenhaus von Artemowsk eingeliefert.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.