Endlich russisches U-Boot in Schweden aufgetaucht – vielleicht

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Vom hehren Versuch, Licht auf den Grund der Ostsee zu bringen – Immer wieder kursierten jüngst in den Medien Gerüchte um ein angebliches russisches Geister-U-Boot vor Schwedens Küste. Jetzt ist endlich ein solches U-Boot aufgetaucht, heißt es zumindest. Beziehungsweise, vielmehr wäre es dann abgetaucht. Und das nicht erst vor kurzem, sondern vermutlich schon vor etwa einhundert Jahren.

So wie es aussieht, wird das Boot einmal mit Mann und Maus untergegangen sein, also schlichtweg abgesoffen. Bisher konnten allerdings von schwedischen Tauchern lediglich Foto- und Filmaufnahmen gemacht werden. An Form und Gestalt des Turms erinnere das U-Boot angeblich stark an ein Gefährt der ehemals zaristischen russischen Flotte. Zudem lasse eines der Fotos das russische „harte Zeichen“ ь erkennen. Jedoch ist das erwähnte „harte Zeichen“ am Schiff, wenn dann, in einer Schreibweise aus der damaligen vorrevolutionären Zeit.

Demnach müsste dann das U-Boot zur sogenannten „SOM“ Serie gehört haben, die auf einem amerikanischen Projekt basierte. Wenn sich dies soweit bewahrheiten würde, wäre das U-Boot im Jahre 1901 von dem amerikanischen Erfinder John Philipp Holland entwickelt worden. Er konstruierte seinerzeit die ersten praktisch einsetzbaren U-Boote der US-Marine, von denen auch sechs Exemplare bei der russischen Marine Verwendung fanden.

Im Jahre 1915 wurden diese Schiffe vom Schwarzen Meer zur Baltischen Flotte verbracht. Aus diesen Gewässern ist auch ein Vorfall verbrieft, der sich am 10. Mai 1916 ereignete. Denn eines dieser Schiffe kollidierte nachweislich während einer Patrouillenfahrt mit der schwedischen Fähre „Ingermanland“. Dabei kam die gesamte Besatzung, zwei Offiziere und 16 Matrosen, ums Leben.

Nun schießen bereits wieder die ersten Spekulationen um diese russischen Seebären ins Kraut. Gesichert ist jedoch noch nichts, aber eines steht fest: Entweder haben die Schweden jüngst gar kein russisches Geister-U-Boot gesichtet oder aber die Mär vom „Totenschiff“ ist mehr als nur Seemannsgarn. Das Spekulieren überlassen wir großzügig Ihnen. Sofern Sie der schwedischen Sprache mächtig sind, können Sie sich aber gerne hier die Meldung von dem Fund als Video im Original ansehen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.