EM-Qualifikation: Russland wahrt seine Chance gegen Schweden

Foto: Wikipedia/Akutagava CC BY-SA 3.0Foto: Wikipedia/Akutagava CC BY-SA 3.0
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Moskau – Bis gestern sah es für die Sbornaja in der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2016 ziemlich zappenduster aus. Die letzte Chance auf einen Direktteilnehmer-Platz war das Spiel gegen den Gruppenzweiten Schweden. Und Russlands Fußballer nutzten sie. Mit 1:0 gewann das Team in einem anfangs recht zerfahrenen, später jedoch ganz munteren Spiel.

Die Zuschauer in der gut gefüllten Otkrytie Arena, der Einfachkeit halber nur Spartak-Stadion genannt, hofften auf ein kleines Fußballwunder. Ein Sieg musste her, sonst hätte die EM nächstes Jahr wohl ohne die Sbornaja stattgefunden. Der Direktvergleich gegen Schweden im Hinspiel endete salomonisch 1:1. Nachdem die Russen allerdings in ihren weiteren Spielen sehr geschwächelt haben, stand Russland mit acht Punkten lediglich auf Platz drei hinter den Schweden mit zwölf Punkten.

Die ersten zehn Minuten des Spiels waren von schlampigen Pässen und übervorsichtigem Abtasten geprägt. An diesem Bild konnte auch ein, zurecht nicht gegebenes, Abseitstor nach einem dolchstoßartigen Angriff in der achten Spielminute nichts beschönigen. Russland lauerte daraufhin auf Fehlpässe der Schweden und setzte auf Konter. In der 18. Minute muss Andreas Isaakson, der schwedische Torhüter, einen Schuss von Roman Schirokow zur Ecke klären. Es folgte ein wahres Ecken-Festival der Russen, bis sich die Schweden endlich wieder etwas Luft verschaffen konnten.

In der 22. Minute stand dann jedoch Igor Akinfeev in der Pflicht seinen Kasten sauber zu halten. Fünf Minuten später trafen dann auch die Schweden einmal ins russische Tor. Aber auch dieses wurde vom englischen Referee Mark Clattenburg nicht gegeben. Mittlerweile gestaltete sich das Spiel ausgewogen und durchaus ansehlich. Und endlich, man schrieb die 37. Spielminute, gelang den Russen der erlösende Treffer zum vorläufigen 1:0. Der Spielführer der Russen, Roman Schirokow, in Diensten von Spartak Moskau, legte den Ball per Hacke in den Sechzehner, von dem aus Smolnikov Richtung Elfmeterpunkt verlängerte. Den perfekt vorgelegten Ball konnte der St. Petersburger Stürmer Dzjuba unhaltbar für Isaakson flach am rechten Pfosten im schwedischen Tor versenken.

Erlösung noch in der ersten Halbzeit

Es war erlösend, es war befreiend und plötzlich war Stimmung in der Bude – „Rossija, Rossija…“, den Zuschauern gefiel’s. Nach der Halbzeitpause blieb der blass agierende Kapitän und Superstar Zlatan Ibrahimovic auf der Ersatzbank sitzen. Aufreger gleich nach dem Wiederanpfiff, bei einer gewagten Parade holt Akinfeev kollektiv mit Alan Dzagoev einen schwedischen Angreifer von den Beinen. Mitunter wird so etwas gerne geahndet. Russland im Glück, der Elfmeterpfiff blieb aus. Ein Einwurf von der linken Seite landete direkt in den Armen des schwedischen Torhüters, so etwas sieht man auch nicht alle Tage.

In der 51. Minute wurde dann Alexander Kokorin auf dem rechten Flügel gefoult, was man aber durchaus als Vorteil für die Russen hätte gelten lassen können. Schade, denn so wurde ein herrlicher Spielzug der Sbornaja im Keim erstickt. Der Steilpass in der 56. Minute war dann doch etwas zu steil für Artjom Dzyuba. Es war noch eine halbe Stunde zu spielen aber in trockenen Tüchern war noch lange nichts. Die Schweden bäumten sich nun regelrecht auf. Ein Pfostenknaller wirkte regelrecht wie ein Warnschuss vor den Bug. Da wäre Akinfeev machtlos gewesen. Die Schweden stehen hinten eng, zupfen und zerren. Als würden sie ihre Chance wittern. In der 75. Minute konnte Akinfeev gerade noch mit der Faust zur Ecke klären.

In den letzten zehn Spielminuten agierten die Russen viel zu umständlich. Mit dem regulären Spielende, in der 90. Spielminute, herrschte plötzlich Verwirrung. Ein Pfiff des englischen Unparteiischen nach einer Ecke der Schweden und die bange Frage, war es ein Elfmeterpfiff oder was war geschehen? Nein, kein Elfmeter, lediglich die Ecke musste wiederholt werden. Manchmal ist der Fußballgott ja auch nachsichtig. Noch vier Minuten Nachspielzeit, die Schweden drückten und gaben ihr Letztes.

In der allerletzten, der 94. Spielminute, machte sich Igor Akinfeev selbst zum Helden, als er den letzten schwedischen Torschuss von Ola Toivonen glanzvoll gerade noch aus dem linken unteren Eck fischen konnte. Seine Arme wurden länger und immer länger und dann war das Spiel endlich aus. Uff, alter Schwede. Es war vielleicht kein berühmtes Spiel, aber prickelnd bis zum Schluss. Russland nutzte seine allerletzte Chance. Zwar steht die Sbornaja immer noch auf dem dritten Tabellenplatz, aber nurmehr einen Punkt hinter den Schweden. Und da kommt es am kommenden Dienstag zum Direktvergleich gegen die souveränen Österreicher, die so gut wie durch sind. Russland indes muss in Liechtenstein beweisen, ob es am Ende der lachende Dritte ist. Es bleibt spannend…

[mb/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.