Eishockey-WM: „Sbornaja“ schickt Eidgenossen aufs Glatteis

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Die Schweiz wollte sich unbedingt mit einem Gegner auf Augenhöhe messen, hieß es selbstbewusst vor der Partie gegen den Ausrichter der diesjährigen Eishockey-Weltmeisterschaft. Nach der 1:5 Niederlage am Ende der Partie schlichen die mutig Entschlossenen eher um eine Erfahrung reicher vom Eis.

Das mit der Augenhöhe ist immer so eine Sache. Zum einen kommt es dabei auf den Standpunkt an und zum anderen benötigt es einen klaren Blick. Und genau den ließen die Helvetier in diesem Vorrundenspiel vermissen. Den Mannen aus dem Land der Berge  sollte eigentlich klar gewesen sein, welche Hausnummer ihnen da gegenüberstand.

Als Ausrichter des Turniers mit stolzer Brust angetreten, stotterte der Motor der „Roten Maschine“ noch beachtlich. Ganze drei Vorrundenspiele bedurfte es für die Russen so langsam in den Tritt zu kommen und mit dem 10:1 gegen Dänemark das Hausrecht wieder geradezurücken. Zudem erhielt die „Sbornaja“ am vergangenen Freitag massive Unterstützung durch drei ihrer Superstars aus der NHL. Das alleine hätte den Schweizern schon zu denken geben sollen. Und so kam es, wie es kommen musste.

Russische Nachhilfe für die Schweiz

Die Schweiz hatte dem Gastgeber so gut wie nichts entgegenzusetzen und erfuhr eine Lehrstunde in Sachen Eishockey. Ein ausverkaufter Eispalast in Moskau, ein frenetisch feierndes Publikum auf den Rängen. Nach dem 1:0 durch Ivan Telegin in der sechsten Spielminute lehte sich die „Sbornaja“ erst einmal gemütlich zurück, Zu deutlich die Dominanz der Russen, so dass man dem Gegner schon einmal gemächlich beim Spielen zusehen konnte. Die Schweizer werden die erste Drittelpause dringend benötigt haben, so wie sie sich umsonst verausgabt hatten.

Nach knapp einer halben Stunde hatte Yevgeni Kuznetsow wohl langsam genug von der Lümmelei und nagelte den Puck von der Latte unhaltbar in das Tor der Schweizer. Das 2:0, es wirkte gnädig. Bislang spielten die Russen mit ihrem Gegner zwei Drittel lang Katz und Maus. Am Fuß des Matterhorns wägte man sich zu diesem Zeitpunkt mit nur einem möglichen eigenen Tor schon im Olymp des Kufensports. Und wieder war es Ivan Telegin, der den Schweizer Träumen ein jähes Ende bereitete. Mit dem 3:0 für die Russen in der 50. Minute beendete er sämtliche Spekulationen.

Das längst überfällige 4:0 erledigte gerade einmal fünf Minuten später Sergei Shirokow im dritten Versuch. Solange konnte sich der Schweizer Torhüter Berra gerade noch mutig wie ein Löwe dazwischen stellen. Nach 49 deklassierenden Minuten, in denen den Eidgenossen das Spiel immer länger erschienen sein musste, durfte Simon Moser dann doch noch den stolzen Ehrentreffer erzielen. Quasi mit der Schlusssirene markierte Sergei Mozyakin den 5:1 Endstand. Russland steht damit bereits als Viertelfinalist fest und in der Schweiz dürfte man etwas gelernt haben. Mitunter hängen die süßen Früchte weit höher als die Augen reichen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.