Eishockey-WM: Gnadenlose Kanadier entthronen die Sbornaja

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Prag – Im Finale der diesjährigen Eishockey-WM war es dann vorbei. Vorbei mit dem Glanz des russischen Eishockey-Teams, das sich doch schon als sicherer Titelträger wähnte. Wie sich herausstellen sollte hatte die Sbornaja die Rechnung ohne den Wirt, respektive die Kanadier, gemacht. Eine deutliche 6:1 Abfuhr war die Quittung für die russische Überheblichkeit. Das Besondere dabei: Das russische Team hatte bei dem „Debakel von Prag“ nicht den Hauch einer Chance.

In einem war sich die Fachwelt nach dem Finale einig – Kanada sei der verdiente Weltmeister am Ende eines spannenden Turniers, hieß es unisono aus aller Munde. „Eishockey vom anderen Planeten“, wollte Franz Reindl, der Präsident des deutschen Eishockeybundes, gar gesehen haben. Und so unrecht mag er damit nicht einmal haben, denn der Wirbelwind der auf dem Eis über die Russen hinweg fegte, war eine deutliche Klasse für sich. Dadurch durfte sich Kanada nach acht langen Jahren endlich einmal wieder im Glanz der Titelträger sonnen.

Munteres Scheibenschießen

Den Auftakt der Revue zum insgesamt 25. kanadischen Weltmeistertitel machte in der 19. Minute Cody Eakin mit einem umstrittenen Treffer, zu dem die Russen vergeblich den Videobeweis forderten. Ihrer Ansicht nach hätte eine aktive Bewegung des Schlittschuhs vom Stürmer der Dallas Star den Puck ins Tor gelenkt. Alleine daran kann es aber nicht gelegen haben, dass sich das Spiel im weiteren Verlauf als Demütigung für die Russen entwickeln sollte. Bereits drei Minuten später (22.) traf Tyler Ennis nach einem famosen Sololauf quer durch die russische Defensive zum zwischenzeitlichen 2:0.

In der 28. Spielminute ließ Sidney Crosby seine Weltklasse aufblitzen und zimmerte den Puck freistehend unter die Latte. Nur 44 Sekunden später begrub Tyler Seguin mit dem 4:0 jegliche Hoffnung der Sbornaja noch jemals in dieses Spiel zu finden. Nach diesem ausgesprochen starken zweiten Drittel hätten die Kanadier eigentlich einen Gang herunterfahren können, zu stark war deren Dominanz auf dem Eis. Aber sie hatten Blut geleckt gegen den Erzfeind, den ewigen Rivalen aus dem Osten.

Claude Giroux und Nathan Mac Kinnon beendeten schließlich mit ihrem erneuten Doppelpack in der 49. und 50. Minute das muntere Scheibenschießen der Kanadier. Der Ehrentreffer zum 6:1 durch Jewgeni Malkin in der 53. Minute konnte zu dem Zeitpunkt schon längst keine Jubelstürme mehr bei den gut 17.000 Zuschauern auslösen. Die Kanadier hingegen haben sich durch ihre überragende Leistung während dem ganzen Turnier nicht nur mit ihrem 25. Weltmeistertitel belohnt, sondern gewannen neben Gold auch noch Geld.

Eine Million Schweizer Franken (etwa 950.000 Euro) strich das Team um den Superstar Sidney Crosby am Ende des Turniers ein. Diese stolze Prämie wurde vom Eishockey-Weltverband zusammen mit einem Sponsor für das Team ausgelobt, welches sämtliche seiner zehn WM-Spiele in der regulären Spielzeit siegreich beendet. Und jetzt raten Sie mal, wer das war…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.