Eishockey-WM: Die „Rote Maschine“ ist wieder in der Spur

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Ging nun doch noch der große Ruck durch die „Sbornaja“? Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hat Russland scheinbar endlich zu seiner eigentlichen Klasse im Eishockey zurückgefunden. Der Prügelknabe hieß Dänemark und wurde mit 1:10 mehr als deutlich in seine Grenzen verwiesen.

Zwar zählt Dänemark nicht unbedingt zu den höchstklassigen Teams in der Weltrangliste des Eishockey, aber irgend etwas muss geschehen sein, dass Russland plötzlich wieder da angekommen ist, wo man es vor dem Turnier eigentlich erwartet hatte. Hat man sich nach dem empfindlichen, und vor allem peinlichen, Dämpfer gegen Tschechien endlich seiner Tugenden besonnen? Oder ist es eher die Vorfreude auf die sich anbahnende Verstärkung?

Die hat sich in Gestalt dreier NHL-Stars bereits angekündigt und wird am Freitag in Moskau erwartet. Dann werden Verteidiger Dmitri Orlov und Stürmer Yevgeni Kuznetsov mitsamt Superstar Alexander Ovechkin sofort ins Training einsteigen, damit sie am kommenden Samstag gegen die Schweiz, Russlands nächsten Gegner der Gruppe A, erfolgreich mitwirken können. Ovechkin erweist sich schon jetzt als Mutmacher, wenn er betont, dass er stolz auf sein Team sei und die Goldmedaille auf jeden Fall noch zu holen ist.

Ein bisschen Vorarbeit haben seine Teamkollegen ja bereits schon mit dem Kantersieg gegen Dänemark geleistet. Schon in der dritten Spielminute eröffnete Alexey Marchenko den munteren Torreigen mit dem 1:0 nach Zuspiel von Dadonov. Ab da ging es schlag auf schlag. 10 Minuten später hämmerte Maxim Chudinov den Puck dirket unter die Latte, 2:0. Eine Minute später markier Nikita Zaitsev den 3:0 Pausenstand nach dem ersten Drittel. Die Dänen durften sich dabei noch glücklich schätzen.

Das zweite Drittel ging die „Sbornaja“ dann vielleicht doch etwas zu lax an. Nach 10 Minuten stand es plötzlich nurmehr 3:1. Sergei Mozyakin rückte mit seinem unmittelbar darauf folgenden Doppelpack die Verhältnisse wieder zurecht. Russland führt mit 5:1. Shirokov und Dardonov ließen die Russen beruhigt in die letzte Drittelpause gehen. Die Fans in der propper besetzten Halle freut es. Lautstark erwarten sie die letzten 20 Minuten des Spiels. Der nächste Doppelpack durch Vadim Shipachyov zeigt den wackeren Dänen nun endgültig ihre Grenzen auf.

Der endgültige Schlusspunkt durch Artemi Panarin, vier Minuten vor Schluss, ist als Kosmetik zu werten. Zweistellig gewonnen, das hebt, neben den Standing Ovations auf den Rängen, das Selbstbewusstsein für das eigene Können. Und am Samstag geht es gegen die Schweiz. Wenn Superstar „Ove“ seine Prognosen wirklich wahr macht, können sich die Eidgenossen schon einmal warm anziehen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.