Eintausend Jahre altes Grab eines reitenden sibirischen Kriegsherrn enträtselt, der in der Schlacht einen Arm verlor

Omsk – Laut einer Pressemitteilung der „Siberian Times“ haben Archäologen in Sibirien ein dem 11. Jahrhundert zugeordnetes, sorgfältig ausgearbeitetes Grab eines sibirischen Kriegsherrn zu Pferde ausgegraben, der in seiner letzten Schlacht einen Arm einbüsste. Der vorgeschichtliche Krieger wurde gut ein Fuß (das entspricht etwas mehr als 30 Zentimeter, Anm. d. Red.) über seinen Mitstreitern beigelegt und, als Zeichen für seine Stärke, mit einem Bärenfang (dem Reißzahn eines Bären, Anm. d. Red.) auf seinem Gesicht bestattet.

Archäologen entdeckten die sterblichen Überreste des Mannes, dem sie den Namen Bogatyr, „der große Recke“, gaben, in einem alten Grabhügel in der Nähe von Omsk im Südwesten Sibiriens. Eine Untersuchung der Knochen deutet drauf hin, dass der Krieger seit seiner Kindheit für den Kampf ausgebildet wurde. Er gehörte zu den Stämmen der Ust-Ischim Kultur, die die Vorfahren der heutigen indigenen Völker der Chanten und Mansen waren. Diese Menschen sind eher dafür bekannt, dass sie kleinwüchsiger Natur sind, so dass ihnen Bogatyr mit seinen 180 Zentimetern wie ein Riese erscheinen musste.

Die Merkmale von Bogatyrs Grab und die Tatsache, dass sein Unterarm und die Hand mit dem Rest des Körpers, aber getrennt von ihm bestattet wurden, machen wahrscheinlich, dass dieser sibirische Krieger in der Schlacht starb.

„Unser Krieger wurde im Gefecht getötet. Sein linker Arm wurde im Kampf abgetrennt und in der Nähe des Körpers platziert. Und seine Schulter war gebrochen. Aber er wurde dem Ritual gemäß begraben, was bedeutet, dass er eine respektierte Persönlichkeit gewesen ist. Alle Elemente dieses Rituals bieten uns die Möglichkeit, historische und politische Zustände der Epoche, in der der Krieger lebte, zu entschlüsseln“, sagte der Archäologe Michail Korusenko, der die Exkursion leitete.

Bogatyr wurde mit einem Spiegel und einer Bronzeplatte, die auf seiner Brust lag, bestattet. Zudem noch mit 25, immer noch scharfen, Kriegspfeilen aus Metall und Knochen, Werkzeugen aus Bronze, einem Bronzekessel mit Überresten von Lebensmitteln, um ihn im Jenseits zu versorgen, sowie ein Pferdezaumzeug, welches darauf hindeutet, dass er ein Reiter war. Aber auch Reste von Leder und Pelzen, die entweder ein Teil seiner Kleidung waren oder als Dekoration von seinem Köcher für die Pfeile stammen.

Die Forscher sind der Überzeugung, dass der Spiegel, der zehn Zentimeter im Durchmesser misst, einst als Amulett getragen wurde und an der Brust befestigt war, als Mittel zur Kommunikation mit den Göttern diente.

Bogatyr wurde mit einer Totenmaske begraben, von denen die Meisten nicht mehr zu identifizieren sind. Jedoch gelang es den untersuchenden Experten herauszufinden, dass die Maske ursprünglich aus Stoff angefertigt wurde und Taschen über den Augen und dem Mund Fischfiguren aus Metall enthielten. Die Fische wurden bewusst in der Mitte, offenbar als ritueller Akt, der eine tiefe religiöse Bedeutung enthalten haben mag, auseinander gebrochen. An seiner Nase war der kräftige Reißzahn eines Bären beigelegt, „ein Zeichen von Stärke und Macht“, so Korusenko.

Wie Korusenko betont, sei das Grab des Kriegers wahrlich einzigartig, „da es uns ermöglicht, nicht nur dessen kulturelle Seite zu beleuchten, sondern auch die Militärgeschichtliche dieser Region, von der wir zu jener besonderen Zeitperiode nur sehr wenig wissen“.

[Autor: April Holloway]

Aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung von „Ancient Origins“. Zum Originaltext mit weiterführenden Links gelangen Sie hier: ancient-origins >>>