Eine gegen Alle

Eine gegen Alle

Die einzige Frau unter 8 Präsidentenkandidaten, Xenia Sobtschak, hat bei den Wahlen in Russland 1,68 % der Stimmen geholt.

Während der Sendung „Direkter Draht zu Wladimir Putin“ 2017, die einmal im Jahr stattfindet und in der der russische Präsident Fragen seiner Bürger live beantwortet, hatte ein Mädchen Namens Alina aus dem Orenburger Gebiet gefragt, ob eine Frau auch Präsidentin von Russland werde könnte. „Ob eine Frau Präsidentin sein kann? Das kann sie, denn mit unseren Problemen kann eine Frau am besten fertig werden“, lautete damals die Antwort von Putin.

Genau dieser Meinung schien auch Xenia Sobtschak gewesen zu sein, als sie im Oktober 2017 erklärte, die neue Herausforderin von Putin sein zu wollen. Die bekannte TV-Moderatorin und Journalistin ist bei vielen noch als Glamour-Girl in Erinnerung, die u.a. die Reality Show „Haus 2“ (die russische Adaption der Fernsehshow Big Brother) moderierte und durch wilde Partys auffiel. Die Kandidatur der 36-jährigen Sobtschak war von Anfang an sehr umstritten. Vielleicht ist sie sogar nur „ein Kreml Projekt“? Viele glaubten, dass die Präsidentschaftskandidatin  –  jung, attraktiv, medienaffin und vor allem weiblich – die sonst so vorhergesehenen Wahlen in Russland spannender machen und so zu sagen eine hübsche Ergänzung zu Präsident Putin sein sollte. Ein eigenes politisches Programm hatte sie allerdings nicht und forderte Menschen nur auf, sie als eine Kandidatin „gegen alle“ zu betrachten.

Ihr Ergebnis (nur 1,68 % der Stimmen) spricht für sich. Aber vielleicht kann man ihren Misserfolg mit der Tatsache erklären, dass die Meinung, Frauen haben in der Politik nichts zu suchen, in der russischen Gesellschaft immer noch ziemlich verbreitet ist? Vor allem bei Männern. Allerdings gibt es gewisse Tendenzen zur Korrektur.

Wenn 2006 nur 35% der befragten Männer der Meinung waren, Frauen sollen an der Politik aktiv teilnehmen, so dachten 2014 schon 51% männliche Interviewpartner so.  Und 2017 haben 71% aller Befragten ausgesagt, sie stehen einer Teilnahme der Frauen an der Politik positiv gegenüber. Laut einer Umfrage des Lewadazentrums wollten 60% aller Russen, dass Frauen genau so hohe Staatsposten bekleiden wie Männer. Auch eine weibliche Präsidentin kann sich jeder dritte Russe vorstellen (34%).  Allerdings meinten 52%, dass in den nächsten 10 – 15 Jahren doch eher ein Mann der russische Präsident sein sollte.

Xenia Sobtschak war nicht die erste Frau in Russland, die bei den Präsidentenwahlen kandidierte. 2000 kandidierte Ella Pamfilowa (damals 37 Jahre alt) als erste Frau in der Geschichte Russlands für das Präsidentenamt. Sie erhielt 1,01 Prozent der Stimmen. Heute leitet die erfahrene Politikerin die russische Wahlkommission.

2004 bewarb sich Irina Chakamada um die Präsidentschaft. In den 90ern war sie in Russland sehr bekannt und beliebt. Das Magazin „The Time“ nannte sie 1995 eine der wichtigsten Frauen des 20. Jahrhundnerts und in Russland wurde sie mehrmals zur „Persönlichkeit des Jahres“ gekürt. Fast vier Prozent der Wähler haben der damals 49jährigen ihre Stimme gegeben. Das bleibt bis heute das beste Ergebnis für eine weibliche Präsidentschaftskandidatin in Russland. Die seit 2008 nicht mehr politisch aktive Chakamada hat inzwischen eine erfolgreiche Karriere als Politologin, Autorin und Moderatorin hingelegt und ist ein gern gesehener Gast bei verschiedenen Fernseh- und Radiosendungen.

Also hatte den beiden „Vorgängerinnen“ von Sobtschak ihr Kandidieren für das Amt des Präsidenten nicht geschadet. Die junge Politikerin sah ihr Ergebnis als positiv an, weil sie endlich auf allen Kanälen „die Wahrheit“ sagen konnte. Wie sich ihre politische Kariere entwickelt, bleibt abzuwarten.

[Daria Boll-Palievskaya/russland.NEWS]

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