Eine blutige Gemengelage

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[Hanns-Martin Wietek] Außenminister Steinmeier hat mit seinem russischen Amtskollegen die Situation in Syrien besprochen, Er bestand darauf, dass die Gespräche zwischen den USA und Russland aus humanitären Gründen fortgeführt müssen.

Es müsse eine Feuerpause erreicht werden, die länger als 48 Stunden dauert. Lawrow solle auf Assad nachhaltig einwirken, dass dieser zustimme. Deutschland und andere regionalen Mächte würden auf die Oppositionsgruppen einwirken, dass auch diese die Feuerpause einhalten – was die USA bisher nicht konnte oder wollte.

Die USA, die selbst ihren Part der russisch-amerikanischen Vereinbarung nicht einhalten – nämlich darauf hinzuwirken, dass die gemäßigten Oppositionsgruppen sich von den radikalen Islamisten trennen – drohen nun ihrerseits die Gespräche mit Russland zu beenden und härtere Maßnahmen zu ergreifen, wenn Russland nicht auf ihre Forderungen eingehe.

Russland und Syrien haben schon nach dem Angriff der US-Koalition auf syrische Regierungstruppen festgehalten, dass sie sich unter diesen Umständen nicht an eine Waffenruhe gebunden fühlen und greifen gemeinsam Aleppo an, in dem sich nach ihren Aussagen IS-Milizen zurückgezogen haben.

Die USA gehen nun einen Schritt weiter und drohen, die oppositionellen Gruppen auszurüsten, wohl akzeptierend, dass mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Waffen – unter denen dann auch tragbare Flugabwehr-Raketen sein werden – dem IS in die Hände fallen werden und sich die Situation für Syrien und Russland erheblich verschlechtern würde.

Russland verweigert eine länger als 48 Stunden dauernde Feuerpause mit dem Argument, dass sich dann – wie schon einmal geschehen – der IS neu formieren könnte.

Geopolitisch gesehen geht es der westlichen, von den USA geführten Allianz darum, in diesem Raum besonders aus wirtschaftlichen Gründen eine Vormachtstellung zu erreichen und damit Russland zu schwächen.
Ziel der Allianz ist es daher nach wie vor – schon seit fünf Jahren –, den syrischen Präsidenten zu stürzen und durch einen der Allianz freundlich Gesinnten zu ersetzen.

Russland möchte seine Stellung in diesem Gebiet ausbauen, weil es eine – nach seiner Vorstellung – weitere Einkreisung verhindern muss, wobei wirtschaftliche Gründe nicht zu vernachlässigen sind. Ein Verlust des Einflusses wäre für Russland ein herber Rückschlag, da Russland damit, geopolitisch gesehen, zweitrangig würde, was niemand in Russland hinnehmen könnte.
(Hanns-Martin Wietek/russland.news)

Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.