Ein weltpolitischer Lackmustest

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[german-foreign-policy.com] Transatlantisch orientierte Kreise warnen vor globalen Machteinbußen des westlichen Kriegsbündnisses und dringen für den Kampf um die Ukraine auf einen engeren Schulterschluss der NATO-Staaten gegen Russland.

Dass das Kiewer Marionettenregime die Herrschaft über die Krim verloren habe, habe unter Verbündeten des Westens weltweit Befürchtungen ausgelöst, die Unterstützung der USA und der NATO reiche im Ernstfall nicht zur Durchsetzung der eigenen Interessen aus, heißt es in Presseberichten. Die weltweite Hegemonie des Westens bekomme dadurch Risse. So hätten bei der jüngsten Asienreise des US-Präsidenten Vertreter der Gastgeberstaaten immer wieder besorgte Zweifel geäußert, ob Washington sie bei ihren Territorialstreitigkeiten mit Beijing verlässlich unterstützen könne. In der Tat hat die Regierung Obama sich unlängst veranlasst gesehen, mit martialischen Militärdrohungen gegen China für den Fall, dass Beijing sich den westlichen Ordnungsvorstellungen in Ost- und in Südostasien nicht beugen sollte, seine Macht zu demonstrieren. NATO-Manöver in Osteuropa und brutale Schritte des Kiewer Marionettenregimes sollen nun zeigen, was Kräften droht, die sich dem transatlantischen Diktat nicht beugen. Berlin müsse seine Sonderbeziehungen zu Russland opfern und sich mit voller Energie in die NATO-Front einreihen, um den Westen zu stärken, heißt es in Leitkommentaren führender deutscher Medien.

Gegenschlag gegen Russland

Dass das aggressive Vorgehen zumindest der Vereinigten Staaten in der Ukraine weniger durch die Verhältnisse im Land denn vielmehr durch übergeordnete weltpolitische Überlegungen motiviert ist, hat schon im Dezember 2013 der als geheimdienstnah geltende US-Dienst Stratfor bekräftigt. „Moskau hat Washington zuletzt wiederholt diplomatisch ausmanövriert, unter anderem im Hinblick auf Syrien und die Affäre um Edward Snowden“, hieß es damals in einer Stratfor-Analyse. Washington werde sich das nicht gefallen lassen. Tatsächlich wäre Vergleichbares vor zehn Jahren, als die USA sich auf dem Höhepunkt ihrer Macht befanden, noch unvorstellbar gewesen: Weltweite Widerstände konnten die Bush-Administration nicht vom Überfall auf den Irak abhalten; Moskau musste machtlos mit ansehen, wie der Westen 2003 und 2004 in Georgien und in der Ukraine Umstürze zugunsten prowestlicher Regierungen vorantrieb. Ein Wendepunkt kam erst 2008, als es Russland gelang, Aggressionen Georgiens zurückzuschlagen und separatistischen Kräften in den georgischen Regionen Abchasien und Süd-Ossetien zum Erfolg zu verhelfen – gegen den Westen. Weitere russische Erfolge wollten die USA nun unbedingt verhindern, um die weitere Schwächung ihrer weltpolitischen Machtstellung zu vermeiden, urteilte Stratfor Ende 2013: „US-Unterstützung für die Protestbewegungen in der Ukraine ist ein Mittel, um Russlands Aufmerksamkeit auf seine Region zu beschränken“.

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