Ein teures Treffen – aber es trifft keine Armen

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Dieses Treffen war auch den russischen Agenturen eine Meldung wert: Laut Bericht der Moskauer Verkehrspolizei sind in Moskau zwei »Maybach« zusammengestoßen.

Vielen wird der der Name »Maybach« nicht viel sagen. Es gibt nicht sehr viele. Das wird verständlich, wenn man weiß, dass er in die Klasse Bentley und Rolls Roys gehört und in Russland 20 Mio Rubel – zurzeit etwa 270.000 € – kostet. Ein Jaguar, ein Mercedes 300 oder 400 oder was es sonst noch an Gernegroß gibt, sieht schwach daneben aus.

Nun Moskau ist groß: 16 Millionen Einwohner, Durchmesser der Stadt etwa 80 km, die Hauptausfallstraßen bis zum Kreml 5 bis 6-spurig in beide Richtungen, wer da langsamer als 70 bis 80 km/h fährt ist ein Verkehrshindernis und riskiert, von der Polizei angehalten und kontrolliert zu werden.

Und zugegeben, in Moskau gibt es bestimmt mehr von diesen Traumschiffen (die Hand sträubt sich, das gemeine Wort „Auto“ zu schreiben) als irgendwo anders auf der Welt, aber so viele, dass die Wahrscheinlichkeit zusammenzustoßen besteht, auch wieder nicht.

Wie haben die das nur geschafft? Ganz einfach: Der eine kam aus einem Hinterhof, der andere wollte hinein. Und beide Fahrer gehörten in die Rubrik derer, die (standesgemäß) immer Vorfahrt haben. Diesmal hat’s nicht geklappt.
Interessant wäre, zu wissen, was es da in diesem Hinterhof gibt. Vielleicht noch mehr »Maybachs«?

 

ul. Petrovka

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Nicht verwunderlich wäre, wenn einmal an einer anderen Stelle zwei oder vielleicht auch mehr zusammenschrammen würden: Prachtstraße »Petrovka« („die Petrovka“, wie die Moskauer sagen) Kreuzung Fußgängerstraße »Kuznetskij Most«, zur einen Hand die Edelpassage »Petrovka« zur andern das (die Feder sträubt sich wieder bei dem Wort) Kaufhaus »ZUM«, nur etwa 300 m entfernt von der Russischen Zentralbank in der zweiten Prachtstraße »Neglinnaja« (hier riecht man das Geld förmlich).

Petrovka_Passage_Weihnachten_400_c_wietek.

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Hier fand ich einmal – schön hintereinander aufgereiht – zwei »Maybach«, einen »Rolls Roys« und zwei »Bentley« – und keine gaffende Menge drumherum – nicht vor der Bank, auf der »Petrovka« an der Kreuzung! Und BMW und Mercedes mögen mir verzeihen, nach ihnen dreht sich niemand um.

 

 

Für alle, die das Schauspiel auch mal sehen möchten, lege ich hier den Link zur Google‘schen Karte bei.

Allerdings ein bisschen warten wird man schon müssen.
In der Zwischenzeit empfiehlt es sich, dieses prachtvolle Viertel nördlich des Kremls, hinter dem Bolschoi, zu genießen. Einmalig schöne historische Gebäude, pulsierendes Leben Tag und Nacht, in der langen Fußgängerstraße Straßencafés eines neben dem anderen: Московская Жизнь (Moskauer Leben).

Maybach_taxi_Moscow_2-1_Wikipedia_Александр Мотин_CC_BY_SA_3.0

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Nun, wer genug hat vom langen Warten auf einen kleinen Maybach-Crash oder vom vielen Laufen und Genießen kann dann standesgemäß mit einem Maybach-Taxi nachhause fahren. Das gibt es tatsächlich – ohne Spaß!

Und wenn das Taxi auch noch »Небесный Тихоход« (Der Himmlisch Gemächliche) heißt, dann war der Tag ein voller Erfolg.
(Hanns-Martin Wietek/russland.ru)

 

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Über den Autor

Hanns-Martin Wietek
Arbeitet als freier Publizist für russische Literatur und Geschichte für verschiedene Medien. Literaturkritiker für buechervielfrass.de und russland.RU. Seit 2003 bei russland.RU zuständig für Kunst und Kultur und stellt russische Künstler vor.