Nachruf auf Alexander Musytschko einer der Führer des „Rechten Sektors“ [mit Videos]

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Wer erinnert sich nicht an den freundlichen korpulenten Herren, der am 27. Februar in Anwesenheit der Presse und der Polizei vor laufenden Kameras einen Bezirksstaatsanwalt von Riwne bedrängte und schlug.

Oder der am 24. Februar im Kampfanzug im Regionalparlament der Oblast Riwne erschien und eine Parlamentsitzung erzwang. Er inszenierte sich vor laufender Kamera und befahl den Parlamentariern mit einem vorgehaltenen Kalaschnikow-Sturmgewehr, Familien von Demonstranten bevorzugt Wohnungen zu geben. Dabei zeigte er seine Waffen und fragte: „Wer will mir mein Maschinengewehr wegnehmen? Wer will mir mein Gewehr wegnehmen? Wer will mir meine Messer wegnehmen? Traut euch doch!“

Auch mit für ihn vielleicht nicht ungewöhnlichen Sexpraktiken wurde er in Verbindung gebracht.

Nun ist Alexander Musytschko (alias „Sascha Belyi“ bzw. „Saschko Bilyi“) laut ukrainischen Medien in der Nacht zum Dienstag getötet worden.

Wie starb Alexander Musytschko

Auf dem Körper des Anführers der ukrainischen Radikalen wurden mehrere Einschusslöcher entdeckt, seine Kleidung war zerrissen. Die Täter vergewisserten sich zuerst, dass Musytschko keine kugelsichere Weste anhat, dann schossen sie ihm ins Herz, sagen Aktivisten des „Rechten Sektors“.

Das ukrainische Innenministerium hat den Tod Musytschko bestätigt. Der radikale Politiker und Koordinator des nationalistischen Rechten Sektors sei bei einem Sondereinsatz im Raum Rowno von der Polizei erschossen worden.

Wie der stellvertretende Innenminister Wladimir Jewdokimow am Dienstag mitteilte, war Musytschko in der Nacht zum Dienstag bei einer Razzia gegen organisierte Kriminalität in einem Café aufgespürt worden. Der Verdächtige habe versucht zu fliehen und habe das Feuer auf die Polizei eröffnet. Ein Polizist sei verletzt worden. Bei einem Schusswechsel sei Musytschko erschossen worden. Drei weitere Verdächtige seien festgenommen und mehrere Kalaschnikow-Sturmgewehre und PM-Pistolen seien sichergestellt worden.

Kämpfer nicht nur auf dem Euromaidan

Während des Ersten Tschetschenienkrieges kämpfte er auf Seiten der tschetschenischen Separatisten. Die Mitglieder der UNA-UNSO tragen Uniformen, die denen der nationalsozialistischen Waffen-SS nachempfunden sind und rühmen sich damit in Afghanistan, Tschetschenien, Georgien und Aserbaidschan gegen Russland gekämpft zu haben.

Wie die Zeitung „Ukrainskaja Prawda“ berichtet, wurde der radikale Politiker und Koordinator der nationalistischen Partei Rechter Sektor in der Westukraine, gegen den in Russland ein Ermittlungsverfahren läuft, in der Nähe eines Cafes in der Stadt Rowno getötet.

Im Jahr 1995 wurde er von einem ukrainischen Gericht der schweren Körperverletzung für schuldig befunden und verurteilt. 2003 verurteilte ihn ein Gericht wegen Erpressung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis. Im Jahr 2012 trat er als Kandidat bei den ukrainischen Parlamentswahlen an.

Das Stadtgericht der Stadt Jessentuki im russischen Nordkaukasus hatte am 12. März einen Haftbefehl gegen Musytschko erlassen, der verdächtigt wird, russische Militärs in Tschetschenien gefoltert zu haben. Grund für die Einleitung des Verfahrens lieferten Angaben, die bei der Ermittlung von Zusammenstößen zwischen tschetschenischen Extremistengruppen von Schamil Bassajew und Chattab mit russischen Luftlandesoldaten im Jahre 2000 in der Nähe des tschetschenischen Ortes Ulus-Kert gewonnen wurden.

Laut den Ermittlungen soll Musytschko gefangene russische Soldaten brutal gefoltert und anschließend getötet haben. Auf diese Weise habe Musytschko mindestens 20 Gefangene umgebracht.  Dem russischen Ermittlungskomitee liegen außerdem Aussagen über andere Verbrechen vor, die Musytschko zusammen mit Mitgliedern der nationalistischen Organisation Ukrainische Nationale Vereinigung – Ukrainische Selbstverteidigung des Volkes (UNA-UNSO) gegen russische Militärs 1994 bis 2000 in Tschetschenien begangen haben soll.

Auch in der Ukraine läuft ein Verfahren gegen „Sascha Belyi“. Ende Februar teilte die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft mit, dass gegen ihn ein Verfahren nach einem Vorfall in der Staatsanwaltschaft des Gebiets Rowno eingeleitet worden ist. Laut der Behörde habe Musytschko zusammen mit einer von ihm geleiteten Gruppe einen Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft angedroht und physische Gewalt gegen ihn angewandt. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow erklärte im Februar, Musytschko werde seine Handlungen im Gericht verantworten müssen.

Musytschko erklärte, sein Credo sei es, „gegen Kommunisten, Juden und Russen zu kämpfen, solange noch Blut durch meine Adern fließt“. Nun fließt es nicht mehr und seine Kalaschnikow hat er für immer abgelegt.

Die Trauer wird sich in Grenzen halten.