Ein Jahr nach „Paris“: FSB entschärft Islamisten-Terrorgruppe

Foto: commons.wikimedia/RIAN archive Andrey Stenin  CC BY-SA 3.0Foto: commons.wikimedia/RIAN archive Andrey Stenin CC BY-SA 3.0
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In Moskau und St. Petersburg sind zehn mutmaßliche islamistische Terroristen festgenommen worden, die angeblich in beiden russischen Metropolen Terrorakte nach dem Muster der Pariser Schreckensnacht vor genau einem Jahr begehen wollten.

Am Samstag meldete der russische Inlandsgeheimdienst FSB, er habe in Moskau und St. Petersburg eine größere Gruppe Terroristen unschädlich gemacht und umfangreiche Anschlagspläne vereitelt. Von vier kurzen Videoschnipseln einmal abgesehen, haben die Ermittler bisher kaum Details über die angeblich ausgehobene Terrorgruppe bekannt gegeben.

Im Moskauer Stadtteil Degunino wurden drei Männer festgenommen, in St. Petersburg sieben. Dort hatte ein Spezialeinsatzkommando in der Nacht auf Samstag eine Wohnung nahe der Metrostation Akademitscheskaja gestürmt. Die Verdächtigen stammen alle aus Zentralasien. Sie sollen in beiden Städten synchrone Anschläge nach dem Muster der Pariser Terrornacht vom 13. November letzten Jahres geplant haben: Bombenexplosionen, Geiselnahmen und Massaker mit Schusswaffen.

Angeblich Verbindungen nach Syrien und zum IS

In Moskau wurden bei den Verdächtigen den Videomaterialien zufolge mindestens vier Kalaschnikows sowie Material für Sprengsätze sichergestellt. Ein Video zeigt das Verhör eines jungen Mannes, der sich als tadschikischer Staatsbürger namens Abdulchaleb Mersojew bezeichnet und sagt, er habe in Moskau vorgehabt, einen Terrorakt zu begehen. Sein Bruder sei in Syrien im Dschihad.

Die „Rossijskaja Gazeta“ berichtet, die Festgenommenen hätten ihre Befehle direkt von der Führung des IS erhalten. Den entscheidenden Hinweis auf die Terrorgruppe habe das tadschikische Innenministerium gegeben, das dort einen in den Terrorplan eingeweihten Informanten aufgetan habe.

Zwei Shopping-Center in St. Petersburg waren im Visier

Wie die St. Petersburger Internet-Zeitung fontanka.ru berichtet, hätten die Verdächtigen vorgehabt, dort Bombenanschläge in den Einkaufszentren Galeria und Akadem-Park zu begehen. Galeria ist eine riesige Mall mitten in der Innenstadt, Akadem-Park liegt in der Nähe der gestürmten Einzimmer-Wohnung an der Uliza Sofi Kowaljowskoj im Nordosten der Stadt.

Bei den in St. Petersburg Festgenommenen soll es sich um Staatsbürger Usbekistans und Kirgisistans handeln. Nachbarn berichteten, die jungen Männer hätten in ihrer Einzimmerwohnung ein unauffälliges Leben geführt und sich anständig und freundlich verhalten. Sie hätten die Wohnung abends verlassen und seien morgens zurückgekommen. Die Nachbarn vermuteten, sie arbeiteten als Taxifahrer, zumal manche von ihnen gelegentlich am Steuer von Taxis an dem Haus vorfuhren.

Laut fontanka.ru sei die Petersburger Terrorzelle schon einige Zeit von den Ermittlern beschattet worden. So habe man herausgefunden, dass sie sich für ihre Besprechungen in einem bestimmten Nachtclub getroffen hätten. Der FSB erklärte gegenüber dem Medium, die Petersburger müssten sich keine Sorgen mehr machen, die Gruppe sei komplett „isoliert“ worden. Anders als in Moskau hat es in St. Petersburg bisher nie einen ernsthaften islamistischen Terroranschlag gegeben.

Erst vor wenigen Tagen hatte der FSB auf der Krim mitgeteilt, er habe eine Gruppe aus drei ukrainischen Staatsbürgern ausgehoben, die auf der Halbinsel Anschläge auf Militäreinrichtungen und Infrastrukturanlagen geplant hätten.

[ld/russland.NEWS]

Über den Autor

Lothar Deeg
Lothar Deeg geboren 1965 und gebürtig aus Bad Mergentheim. 1991 infizierte ich mich als frisch gebackener Diplom-Journalist auf einer Reise nach Wladiwostok mit dem Russland-Virus. Rudimentär mit VHS-Russischkenntnissen ausgestattet hängte ich 1994 meinen Redakteursposten beim „fliegermagazin“ an den Nagel und siedelte von München nach St. Petersburg um. Dort schreibe ich seitdem als freier Journalist über alles, was mir aus Stadt und Land berichtenswert erscheint – unter anderem als Korrespondent des epd und des Logistik-Fachblatts „Verkehrsrundschau“. Momentan arbeite ich an meinem dritten und vierten Reiseführer über St. Petersburg. Meine Lieblingsjobs sind aber Städte- und Personenporträts für das Bordmagazin der Airline Swiss.