Ein Energiestreit mit Russland schadet vor allem den Europäern

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In einem Artikel der »Stimme Russlands« wird die Auffassung vertreten, dass Europa keinen Energiestreit mit Russland haben will. Brüssel möchte zwar die Gasabhängigkeit von Moskau verringern, doch es erkennt allmählich, dass eine Konfrontation mit Russland vor allem den Europäern schaden wird.

Der EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, hat die Unteilbarkeit der Energiesicherheit faktisch anerkannt. Nach seinen Worten steht Energie am Ende der Liste möglicher EU-Sanktionen gegen Russland. Zudem unterstrich er, dass Brüssel seine Entscheidungen unabhängig von Washington treffen würde. Dabei wies er darauf hin, dass das russische Gas nicht in den USA, sondern in der Europäischen Union gekauft wird. Diese Erklärung wurde nur einige Tage vor dem EU-Gipfel abgegeben, bei dem unter anderem „eine dritte Phase“ der Sanktionen gegen Russland infolge der ukrainischen Krise besprochen werden soll. Auf diese Weise geben die Europäer den Amerikanern zu verstehen, dass sie nicht nach ihrer Pfeife tanzen werden. Inzwischen hat sich der russische Gaskonzern Gasprom erneut als kompromissfähig gezeigt. Das Unternehmen ist bereit, aufgrund des Vertrages über Gaslieferungen an die europäischen Verbraucher in der Winterzeit Gas in die europäischen unterirdischen Behälter auf eigene Kosten einzupumpen,. Dies erklärte der Gasprom-Chef Alexei Miller.

Der Präsident des russischen Unternehmens ist überzeugt, dass der Bau der Gaspipeline „South Stream“ Risiken bei Transitlieferungen durch die Ukraine beseitigen wird. Es ist bemerkenswert, dass auch der EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, es für notwendig hält, den Bau von „South Stream“ zu vollenden. Die bevorstehende Winterkälte scheint, die heißen Köpfe abzukühlen, glaubt Boris Schmeljow, Leiter des Zentrums für Außenpolitik am Institut für Wirtschaft bei der Russischen Akademie der Wissenschaften.

„In letzter Zeit legte Europa mehr Wert auf die geopolitische Komponente bei den Gaslieferungen aus Russland. Deshalb schränkte Europa aufgrund seiner geopolitischen Überlegungen alle Arbeiten zur Umsetzung des sowohl für Europa als auch für Russland wichtigen Projektes „South Stream“ ein. Doch dieses geopolitische Spiel ist zu weit gegangen. Und dieses geopolitische Spiel in der Ukraine hätte das gesamte Europa beinahe an den Rand einer Katastrophe gebracht.“

Brüssel setzt Energie schon seit Langem als politisches Druckmittel ein. Michail Nejschmakow, Leiter des Zentrums für die Analyse der internationalen Politik am Institut für Globalisierung und soziale Bewegungen, sagt:

„Nach gewissen Ereignissen in der Ukraine haben die Eurobeamten ihre Positionen mehrmals geändert. Einerseits schlug das Europaparlament vor, dieses Projekt auf Eis zu legen. Andererseits sagte der EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger, bereits Mitte Mai, dass er nichts gegen die Umsetzung von „South Stream“ hat. Es handelt sich also höchstwahrscheinlich darum, dass die Eurobeamten günstige Bedingungen bei Russland aushandeln wollen, um von diesem Projekt zu profitieren. Die ukrainische Krise ist hier nur ein Vorwand.“

Leider führt eine solche Politik dazu, dass der europäische Verbraucher die stabile Alternative für die äußerst unzuverlässigen ukrainischen Transitlieferungen verliert. Anscheinend spürt jetzt auch Brüssel die Peinlichkeit dieser Situation, und Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, gibt Russland Recht, wenn auch mit Unlust.
Stimme Russlands