Edward Schewardnadse – Ein Staatsmann ist gegangen

Zum Tod von Edward Schewardnadse

Präsident Schewardnadse
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Es ist jetzt nicht die Zeit, das Leben eines Mannes zu analysieren, um festzustellen, wo er – aus der Sicht der Nachgeborenen – „falsch“ oder „richtig“ gehandelt habe. Es gilt innezuhalten, zu schweigen und eines Mannes zu gedenken, der ohne großes Getöse half, die Welt zu seiner Zeit etwas menschlicher zu gestalten.

Der letzte sowjetische Außenminister und spätere georgische Präsident von 1992 bis 2003 Edward Schewardnadse ist am 7. Juli in Tiflis gestorben.

Er steht an der Seite Gorbatschows für zwei seinerzeit unvorstellbare Ereignisse, die die Welt veränderten: die Entideologisierung der russischen Außenpolitik und die Wiedervereinigung Deutschlands.

Michail Gorbatschow holte den zuvor in der georgischen Sowjetrepublik aktiven Politiker 1985 überraschend als sowjetischen Außenminister nach Moskau. Trotz seiner langjährigen freundschaftlichen Beziehungen zu Gorbatschow kam dieser Ruf auch für ihn überraschend und er zögerte, ihn anzunehmen. Für Gorbatschow war Schewardnadse wichtig, weil er schon in Georgien kräftig Reformen vorangetrieben hatte. Zusammen verordneten sie dem Land die „Perestroika“ und „Glasnost“. Bis Ende 1990 und noch einmal kurze Zeit im Jahr 1991 war er sowjetischer Außenminister. Er hatte frühzeitig erkannt, „das Rad der Geschichte lässt sich nicht aufhalten“ und sorgte dafür, dass die Umwälzungen in Osteuropa geduldet und in sie nicht eingegriffen wurde.

Schon kurz nach seiner Berufung zum Außenminister propagierte er in der sowjetischen Führung nach eigenen Erzählungen die Wiedervereinigung Deutschlands. Mit Gorbatschow flog er nach dem Mauerfall nach Berlin, um die angespannte Situation zu beruhigen. Bei der Paraphierung des Zwei-plus-vier-Vertrages in Moskau saß er als Vertreter der Sowjetunion am Tisch. Geschätzt wurde Schewardnadses laut Weggefährten wegen seiner großen Glaubwürdigkeit und seiner Fähigkeit, auf diplomatischem Parkett Freundschaften zu knüpfen. Bekannt ist seine Freundschaft mit dem einstigen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher sowie dessen zwei amerikanischen Amtskollegen George Shultz und James Baker.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion rief man ihn nach Georgien, wo er nach dem Sturz des ersten georgischen Präsidenten von den Putschisten aufgefordert wurde das Präsidentenamt zu übernehmen. Er trat das Amt am 10. März 1992 an. „Ich wusste, dass ich nicht legitimiert war, das Amt des Staatschefs zu übernehmen“, sagte Schewardnadse später: „Aber ich war mir sicher, dass nur ich Georgien aus Chaos und Krise herausholen und zur Demokratie würde führen können.“ Im November 1995 wurde Schewardnadse mit 70 % der Stimmen zum Präsidenten gewählt.

Um Georgien zu modernisieren und voranzubringen, holte er ins Ausland gegangene junge engagierte Leute nach Georgien zurück, unter ihnen auch Michail Saakaschwili. Sie profilierten sich als Opposition und nach der Parlamentswahl 2003, von der behauptet wurde, sie sei von Schewardnadses Partei gefälscht worden, kam es zur sogenannten „Rosenrevolution“. Um Blutvergießen zu vermeiden, trat er vom Präsidentenamt zurück.

Der heute 83-jährige Gorbatschow sagte über seinen verstorbenen Gefährten am Montag „Schewardnadse war ein hervorragend talentierter Politiker, mit echtem georgischem Temperament. Ein Mensch, der Brücken bauen konnte.“