Im russisch besetzten Teil des ukrainischen Gebiets Saporischschja sollen neue Hilfszentren entstehen, in denen die Bevölkerung Wasser holen, duschen, Wäsche waschen und ihre Mobiltelefone aufladen kann. Bei einer weiteren Verschlechterung der Lage sollen die Einrichtungen außerdem als Wärme- und Notunterkünfte dienen.
Die von Russland eingesetzte Gebietsverwaltung spricht von „Zentren zur alltäglichen Unterstützung der Bevölkerung“. Dort sollen die Bewohner elektronische Geräte aufladen, das Internet nutzen, Kleidung waschen, duschen und Trinkwasser erhalten können. Vorgesehen sind außerdem humanitäre Hilfe, dringende soziale Unterstützung und Möglichkeiten für einen kurzen Aufenthalt.
Die nüchterne Aufzählung beschreibt einen Alltag, in dem selbst elementare Leistungen nicht mehr als selbstverständlich gelten. Strom, Wasser, Kommunikation und eine beheizte Unterkunft werden zu Angeboten besonderer Zentren.
Nach Angaben der Verwaltung sollen die Einrichtungen bei einer „Verschlechterung der operativen Lage“ auch zur Unterbringung und zum Aufwärmen von Menschen genutzt werden. Hinter der militärisch-bürokratischen Formulierung steht die Erwartung weiterer Versorgungsausfälle und möglicherweise auch neuer Fluchtbewegungen innerhalb des besetzten Gebiets.
Parallel dazu sollen sämtliche 148 Schulen und 108 Kindergärten in dem von Russland verwalteten Teil der Region mit Generatoren ausgestattet werden. In den Einrichtungen werden nach russischen Angaben rund 33.000 Kinder unterrichtet und betreut. Mehr als 7.000 Schüler aus drei frontnahen Bezirken haben das neue Schuljahr bereits im Fernunterricht begonnen.
Die russischen Behörden nennen weder die Zahl noch die vorgesehenen Standorte der geplanten Hilfszentren. Auch ein Zeitplan für ihre Eröffnung wurde zunächst nicht veröffentlicht. Die Initiative von Gouverneur Jewgeni Balizki macht jedoch deutlich, dass sich die Verwaltung auf einen weiteren Winter unter Kriegsbedingungen einstellt.
Russland erklärte das Gebiet Saporischschja im Herbst 2022 nach international nicht anerkannten Scheinreferenden zu seinem Staatsgebiet, kontrolliert es jedoch nur teilweise. Die gleichnamige Gebietshauptstadt befindet sich weiterhin unter ukrainischer Kontrolle. Die russische Verwaltung hat ihren Sitz im besetzten Melitopol.
Offiziell geht es bei den neuen Zentren um Unterstützung und Vorsorge. Tatsächlich entsteht eine Infrastruktur für den dauerhaften Notbetrieb: Generatoren ersetzen eine verlässliche Stromversorgung, öffentliche Waschmöglichkeiten den funktionierenden Haushalt und beheizte Sammelstellen die sichere Wohnung.
Der Krieg verschwindet dabei fast vollständig hinter der Verwaltungssprache. Es ist nicht von Schutz- oder Notunterkünften die Rede, sondern von „alltäglicher Unterstützung“. Selbst die Aussicht auf weitere Angriffe, Ausfälle oder Evakuierungen wird zur möglichen „Verschlechterung der operativen Lage“.
Mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Invasion besteht der angekündigte Fortschritt in den besetzten Gebieten damit darin, Orte zu schaffen, an denen Menschen duschen, Wasser bekommen und ihre Telefone aufladen können. Die Meldung ist klein. Das von ihr beschriebene Elend ist es nicht.

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