DTM zieht ihre Kreise in Moskau nicht umsonst

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Während sich die Königsklasse des Rennsports, die Formel-1, mittlerweile nach Sotschi verzogen hat, halten die Tourenwagen bisher noch an Moskau fest. Die Rennstrecke ist bekannt dafür, dass mit harten Bandagen gekämpft wird und die Zuschauer jede Menge Spektakel zu sehen bekommen. Am Wochenende wurden die Motoren aufs Neue gestartet.

Der „Moscow Raceway“ in Wolokolamsk, 80 Kilometer vor den Toren der Hauptstadt, war der Schauplatz des Eröffnungsrennens nach der Sommerpause. Der Kurs ist bei den Zuschauern, als auch bei den Rennteams und den Fahrern gleichermaßen beliebt. Im vierten Jahr in Folge kämpften die 24 DTM-Piloten auf dem 3.931 Kilometer langen, hochmodernen Kurs um Siege und Punkte. „Der Moscow Raceway ist eine schöne Strecke, zu der wir gerne fahren“, sagt Dieter Gass, DTM-Leiter bei Audi. „Wir haben dort schon sehr gute Rennen gesehen und ich glaube, den Fahrern macht der Kurs auch viel Spaß.“

Heiß umkämpfter KFZ-Markt

Ins gleiche Horn stößt auch der BMW Motorsport-Direktor Jens Marquardt: „Ich hoffe, dass wir unsere gute Performance der vergangenen Jahre auch jetzt wieder zeigen können“, sagt er. „Das Gesamtpaket in Moskau gefällt mir grundsätzlich sehr gut. Die Strecke ist toll und die Zuschauer sind sehr interessiert.“ Und auch der Mercedes-AMG DTM-Teamchef Ulrich Fritz ist gespannt, wie sein Team in diesem Jahr dort zurechtkommen wird. Prognosen seien, gerade mit Blick auf die bisherige Saison, unmöglich. Ein bisschen klingt das wie bewusstes Understatement.

Denn, alle drei Hersteller konnten auf dem Moscow Raceway bereits gewinnen. Audi feierte zwei, BMW und Mercedes-AMG jeweils einen Sieg. Diese Ausgeglichenheit unter den Markenfabrikaten ist zugleich ein Spiegelbild der aktuellen Beliebtheit der Fahrzeughersteller auf dem russischen Automobilmarkt und deren Verkaufszahlen. Um nichts anderes geht es im Wesentlichen bei dem Rennzirkus der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft. Während in der Formel-1 die Motoren- und Reifenhersteller den Ton, und damit auch das Geld, vorgegeben, misst sich die DTM am gesamten Modell.

Lukrativ trotz Krise

Trotz der beschwerlichen Logistik, die der Tross um Pferdestärken und Hubräume bei der Reise nach Moskau zu bewältigen hat, immerhin die östlichste der DTM-Saison, verspricht die Tourstation wirtschaftliche Lukrativität. „Für mich persönlich ist es nicht so wichtig, ein Rennen in Russland zu haben. Die ITR hat gesagt, es sei das Beste für die Hersteller“, meint Audi-Titelkandidat Jamie Green. Die ITR, der Verein für Internationale Tourenwagen Rennen, der die komplette Rennserie unter seinen Fittichen hat und dementsprechend vermarktet, weiß von was sie redet.

Auch wenn der russische Fahrzeugmarkt für die deutschen Automobilhersteller mittlerweile weniger attraktiv geworden ist, 2015 brach der Absatz um 35,7 Prozent ein, im ersten Halbjahr 2016 ging dort die Zahl der Neuzulassungen um weitere 14,1 Prozent zurück, hofft man wieder auf bessere Zeiten. Auch wenn man sich bei der ITR betont aus politischen Angelegenheiten heraushält, das wirtschaftliche Embargo und die damit verbundene Krise beim Verbraucher sind auch hier spürbar.

Dennoch sei es so, dass der DTM-Wanderzirkus dort immer freundlich und interessiert empfangen wurde. „Wir fahren gern dorthin. Es ist eine tolle Strecke, es kommt ein gutes Publikum und wir sehen dort auch spannende Rennen. Für die DTM ist es somit einer der interessanteren Orte“, gibt sich Gass zu dem vierten Auftritt der DTM in Moskau zuversichtlich. Immerhin bekommen auch die Zuschauer ihr Event-Rundumpaket geboten.

Sieger und Gewinner

Zur Einstimmung fährt die nordeuropäische Formel-4 ihre Konkurrenz, eine Porsche 911- Classic Parade gibt sich die Ehre und beim obligatorischen Rundgang durch das Fahrerlager gibt es Autogramme. Und natürlich gibt es auch viel Schnickschnack rund um den Automobilrennsport zu kaufen – die Vermarktung, und somit auch ein Teil der Refinanzierung, funktioniert, trotz Krise, perfekt in Moskau.

Der Moscow Raceway präsentiert sich als moderner Kurs über 40 Runden, der bei den Fahrern durch die Bank beliebt ist. Er bietet mit einer langen Geraden sowie schnellen und langsamen Kurven einen guten Mix an Herausforderungen für die Piloten. Bei Temperaturen von leicht über 20 Grad Celsius und durchwachsenem Himmel, die Vorläufe um die Qualifikation mussten am Vortag noch wegen starker Regenfälle unterbrochen werden, sprach vorerst noch alles für die Mercedes-Teams.

Die Nase vorn hatten am Ende allerdings dann doch die Bayrischen Motorenwerke, die mit drei verschiedenen Teams die ersten vier Plätze nach dem Rennen belegten. Die Pokale für die stolzen Gewinner überreichte Witali Petrow, der russische Automobil-Rennfahrer, der von 2014 bis 2015 selbst in der DTM vertreten war, dort jedoch nie Fuß fassen konnte.

Jens Marquardt, der BMW-Motorsportchef indes zeigt sich zufrieden: „Die Sommerpause hat der gesamten Mannschaft gut getan und geholfen, die Batterien für die zweite Saisonhälfte wieder voll aufzuladen.“ Nun muss man nur noch sehen, ob sich der Absatz von BMW-Fahrzeugen in Russland dadurch wieder steigern lässt.

[mb/russland.RU]

 

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.