Dopingaffäre – es kommt Bewegung ins Spiel

Foto: Kremlin.ru CC BY-SA 3.0Foto: Kremlin.ru CC BY-SA 3.0
image_pdfimage_print

Moskau – Nach den Anschuldigungen der Welt-Dopingbehörde „Wada“ gegen die russischen Leichtathleten nimmt nun Witali Mutko, der Sportminister der russischen Föderation die Zügel selber in die Hand. Ungeachtet jeglicher Forderungen von außenstehenden Organisationen, versucht nun Russland selbst Ordnung in die Angelegenheit zu bringen.

Als erstes wurde zunächst der Stall des Moskauer Antidoping-Labors gründlich ausgemistet. Nachdem dem Labor einstweilig die Akkreditierung entzogen wurde, durfte nun auch Grigori Rodschenkow seinen Hut nehmen. Rodschenkow war als Direktor des Instituts mit der Führung des Labors beauftragt. Nachdem er seine Kündigung selbst eingereicht hatte, wurde er von Mutko schließlich entlassen. Die Nachfolge Rodschenkows tritt nun Maria Dikunez, eine Spezialistin des Laboratoriums, an.

Mutko räumt auf…

Gleichzeitig bemüht sich der Sportminister die entstandene Situation im Zusammenhang mit den Vorfällen zu klären. Immerhin steht der russische Leichtathletikverband durch die Vorgehensweise des Labors schwer in Misskredit und den Sportlern droht der Ausschluss bei der Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro. Als Konsequenz will die Russische Antidopingagentur bis zum 17. November eine Stellungnahme zu den Anschuldigungen verfassen.

Zudem schlug Vitali Mutko vor, bei Verletzungen der Antidoping-Regeln die Verantwortlichen strafrechtlich zur Rechenschaft zu ziehen. Eine Lösung könnte der biologische Pass darstellen, der jegliche Manipulationen verhindern könne. Das wiederum hätte den Vorteil, von den bisher üblichen Massenkontrollen abzugehen und eine juristische Verantwortung auf der Grundlage der Strafgesetzgebung einzuführen.

Russland zieht’s durch…

Während auf internationaler Ebene noch fieberhaft über weitere Folgen für Russland und seinen Leistungssport diskutiert und beraten wird, ist man in Russland schon einen Schritt weiter. Sportminister Mutko erklärte, dass, ungeachtet des Falls einer möglichen Disqualifizierung der russischen Leichtathleten für die Spiele, kein genereller Boykott der Olympischen Sommerspiele 2016 seitens Russlands stattfände.

Russland sei ein zuverlässiger Partner des Internationalen Olympischen Komitees, so Mutko. Es wäre schmerzhaft für die Sportler mit reinem Gewissen. Außerdem, so der Sportminister, widerspräche ein völliger Boykott dem Geist des Kodexes der Welt-Antidoping-Kommission. Somit äußerte Russland den deutlichen Willen, an den nächsten Sommerspielen teilzunehmen. Notfalls auch ohne Leichtathleten.

…und einer freut sich.

Einen lachenden Dritten indes gibt es in ganzen Tohuwabohu auch bereits. Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas aus dem fränkischen Herzogenaurach präsentierte vorab seine Kollektion für die Fußball-Nationalmannschaft Russlands. Deren Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich, ebenfalls im Jahr 2016, ist gesichert. Zudem ist der russische Fußball, bis auf diverse Entgleisungen auf den Zuschauerrängen, noch nicht in Verruf geraten.

Ganz patriotisch in Bordeaux-Rot ist die Bekleidung gehalten. Außerdem prangt der Doppeladler in stolzem Gold neben dem Logo des Ausstatters. Er symbolisiere die wichtigsten Eigenschaften des russischen Volkes: Mut, Einheit und Freiheit. Bereits im Jahr 2008 wurde ein entsprechender Vertrag mit dem russischen Fußballverband RFS unterzeichnet. Demnach ist Adidas der offizielle Ausstatter der Nationalmannschaft und somit zuständig für die gesamte Kollektion. Der Kontrakt hat eine Gültigkeit bis 2018 und löst damit den bisherigen Vertragspartner Nike ab.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.