Doping: Olympia futsch – ist jetzt die WM 2018 an der Reihe?

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Nach der Sperre für die russischen Leichtathleten bei den Olympischen Spielen in Rio dreht sich die Negativ-Spirale rund um den russischen Sport weiter in die Höhe. Jetzt werden Stimmen laut, Russland die Durchführung der Fußballweltmeisterschaft 2018 zu entziehen.

In dem Bericht der Welt-Antidoping-Agentur WADA, der den endgültigen Anstoß für die Disqualifizierung von 68 russischen Leichtathleten für Rio gegeben hat, ist auch vom Fußball die Rede. Angeblich sollen zwischen 2011 und 2015 elf Fußballer der Premierliga gedopt gewesen sein, und Sportminister Vitali Mutko soll die positive Probe eines ausländischen Spielers persönlich unter den Teppich gekehrt haben.

Mutko im Fadenkreuz

Nach der Veröffentlichung des umstrittenen Reports, der weniger aus Fakten, dafür umso mehr aus Zitaten besteht, gab die WADA eine „Empfehlung“ an die FIFA ab: „Das Ethik-Komitee der FIFA muss Fälle untersuchen, die den Fußball betreffen, und klären, welche Rolle dabei das Mitglied des Exekutivkomitees Vitali Mutko gespielt hat.“ Zur Erinnerung: Mutko, der in dem WADA-Bericht beschuldigt wird, an der Spitze eines vom Staat abgesegneten russischen Doping-Programms zu stehen, ist nicht nur Sportminister, sonders in Personalunion auch Präsident des Russischen Fußballverbandes RFS.

Die FIFA reagierte verhalten auf die Empfehlung, aber die Medien stürzten sich natürlich sofort auf das Thema, allen voran die britischen. So fordert „The Independent“ gleich den Ausschluss der russischen Klubs aus den zurzeit anlaufenden europäischen Fußballwettbewerben. In einem der in der Champions und in der Europa League involvierten Vereine spiele sicher der eine oder andere Fußballer, der in der letzten Saison gedopt hat, so das Blatt: „Es ist angesagt, Zenit zu verdächtigen, dessen Präsident Vitali Mutko war, der von McLaren (dem Autor des WADA-Berichtes – Anm. d. Red.) 21 Mal erwähnt wird. McLaren zeigt, dass Mutko mit den Machenschaften eng vertraut war.“

Russland kein geeigneter Ort für die WM“

Auch Richard Pound, ehemaliger Chef der WADA und Ex-Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), haut in die gleiche Kerbe, greift aber höher. Russland sei kein geeigneter Ort für die Austragung einer WM, meint er. Gegenüber „ABC News“ sagte er: „In den letzten 18 Monaten hat die FIFA ihren Ruf stark beschädigt, unter anderem dadurch, dass sie die Austragungsrechte für die WM 2018 an Russland vergeben hat. (…) In Europa wie in der ganzen Welt gibt es genug Länder, an die man dieses Recht weitergeben kann. Es ist ja noch Zeit.“

Zudem könnte Russland nicht für die Sicherheit der Fans sorgen. Ein Beweis dafür sei, dass die Sbornaja wegen Hooligan-Ausschreitungen fast von der EM in Frankreich ausgeschlossen wurde.

Wann kommt es zum Super-GAU?

Aber was muss geschehen, damit Russland tatsächlich die WM entzogen wird? Laut Dmitri Girin von „Sovsport“ müssten erstens Fakten her, die Mutkos Schuld beweisen und die Wahrheit über die „elf positiven Doping-Proben“ ans Licht bringen. Danach würde Mutko aller seiner Ämter enthoben, und dann stelle sich die Frage: „Wie kann man eine Weltmeisterschaft in einem Land durchführen, dessen wichtigster Fußballfunktionär ein, Verzeihung, Halunke ist?“ Dann würde auch Mutkos Freundschaft zu den geschassten Fußballbossen Blatter und Platini wieder aufs Tapet kommen.

Zweitens dürfe man nicht vergessen, dass auch der neue FIFA-Boss Gianni Infantino bereits im Verdacht steht, Geld veruntreut zu haben. Gegen ihn läuft eine Untersuchung. Girin: „Die mögliche Absetzung von Infantino, der als „Freund Russlands“ gilt, wäre zusammen mit der Amtsenthebung Mutkos ein weiterer Schlag für die WM 2018, umso mehr, da das Thema Korruption bei der Wahl des Gastgeberlandes für das Turnier bis heute immer mal wieder auftaucht.“

[sb/russland.NEWS]