Doping im russischen Sport – Haben Regierung und FSB die Finger im Spiel?

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Die WADA erhebt schwere Vorwürfe gegen Russland! Die WADA ist die Welt-Doping-Behörde, quasi der weltweite Hüter des reinen olympischen Gedankens. Was hinter den Beschuldigungen steckt, wird sich noch weisen. Die Anklage richtet sich zunächst gegen die russischen Leichtathleten.

Gegen diese Wettkämpfer fährt die Behörde gerade schwere Geschütze auf. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London sollen fünf Athleten gedopt gewesen sein, darunter Maria Sawinowa, die Goldmedaillen-Gewinnerin über 800 Meter, und fünf Trainer sollen davon Bescheid gewusst haben. Der russische Sportminister Vitali Mutko wird zudem beschuldigt, die dementsprechenden Anweisungen gegeben zu haben. Was an den Anschuldigungen dran ist, wissen wir nicht. Jedenfalls hat die WADA am gestrigen Montag dem Leichtathletik-Weltverband empfohlen, Russland für künftige Veranstaltungen in dieser Disziplin zu sperren.

Systematisch sei der Betrug russischer Ärzte und von Laborpersonal gewesen. Außerdem sei die Akzeptanz von Betrug in Russland weit verbreitet. Soweit die deutsche Presse. Auslöser der Affäre war eine Dokumentation der ARD aus dem Jahr 2014, die mit angeblich untrüglichen Bild-, Ton- und Schriftdokumenten aufwartete. Demnach stehe ein staatlich gedeckter Skandal mit manipulierten Gutachten und fürchterlich viel Korruption und Bestechung auf höchster Ebene ins Haus. Es bleibt vorerst die Frage: Warum reagiert die WADA erst jetzt, wenn doch alles schon vor einem Jahr vom Ersten Deutschen Fernsehen aufgedeckt wurde?

Sportlicher Skandal oder politisches Haudrauf?

Jedenfalls, der Vorwurf wiegt schwer,  man fordert drakonische Strafen für den russischen Leichtathletikverband. Russland indes weist die Vorwürfe als politische Intervention zurück. Man spricht von politisch motivierten Erklärungen in der Serie von Sanktionen gegen Russland. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF lässt inzwischen durch seinen Präsidenten Sebastian Coe prüfen, wie weit den „alarmierenden Berichten“ Glauben zu schenken ist. „Wir benötigen Zeit, um die detaillierten Ergebnisse des Berichtes vollständig zu verarbeiten und zu verstehen“, so der Präsident bisher. Allerdings fordert er gleichzeitig auch auf, die Sanktionen gegen den russischen Verband zu prüfen.

Russland hingegen weist darauf hin, dass die WADA zwar Empfehlungen aussprechen könne, aber keinerlei Handlungsbefugnis habe. Im schlimmsten Fall würde diese Strafe des Weltverbands bedeuten, dass die russischen Medaillen aus London aberkannt werden und Russland bei den nächsten Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro bei den Leichtathletikwettbewerben nicht zugelassen wäre. Zudem soll dem Moskauer Kontrolllabor die WADA-Akkreditierung entzogen werden. Auch dessen Leiter, Wladimir Ujba, spricht von politisch motivierter Stimmungsmache.

Zugegeben, die Anschuldigungen gegen Sportler aus dem ehemaligen Ostblock waren in früheren Zeiten nicht unbegründet. Kugelstoßerinnen glichen wahren Kraftpaketen, die einem Bodybuilder zur Ehre gereichen würden. Dem wurden Riegel vorgeschoben. Gott sei Dank, ist man geneigt zu sagen. Aufgrund der jüngeren Vorfälle, aufgedeckt unter anderem im Radsport, bleibt die Frage, wo die Grenzen sind. Vermutlich sind sie fließend und Russland gerade mal wieder das Paradebeispiel. Zumindest in den Augen des Westens. Und wir bleiben vorerst mit einem Bibelzitat zurück: „Wer frei von Sünde ist, werfe den ersten Stein…“

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.