Donbass: Rebellen erobern den Big Mac

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[Von Michael Barth] – Wenn der kleine Hunger drückt. So oder so ähnlich dachten wohl die pro-russischen Rebellen in der umkämpften Ostukraine, als sie in Donezk und Lugansk kurzerhand die dort ansässigen Mc Donald’s-Filialen übernahmen.

Vorsichtig hat sich 2014, nach Ausbruch der heftigen Kämpfe um die Ostukraine, der Fast Food-Riese Mc Donald’s aus dem Krisengebiet zurückgezogen und sämtliche Filialen geschlossen. So wie die prorussischen Rebellen die USA als Feind ansehen und ihre russische Kultur betonen, so sehr hat sich der „American way of live“ durchsetzen können. Auch in kulinarischen Belangen ist man dort, wo man am liebsten Russisch wäre, der schnellen Bulette im Pappbrötchen nicht zwingend abgeneigt. Deshalb nahmen die Rebellen die Sache einfach selbst in die Hand.

Der US-Amerikanische Mutterkonzern des Unternehmen hat unmittelbar nach der Übernahme bekannt gegebent, dass es nichts mit den Geschäftsaktivitäten der Separatisten in ihren Geschäftsräumen zu tun habe. Vielmehr beschwerte sich Mc Donald’s bei der ukrainischen Regierung über die illegale Beschlagnahme der Betriebsräume im Krisengebiet, wie es heißt. Dan Bertsch aus dem US-Bundesstaat Virginia, ein Mitfünfziger, der mit einer Ukrainerin verheiratet ist und seit drei Jahren in Lugansk lebt, steht dem Ganzen positiv gegenüber. Hier im Kriegsgebiet sei ihm zufolge ein schnöder Hamburger bereits eine Delikatesse.

„I’m lovin‘ it“, der Slogan galt und gilt in der Ukraine auch heute noch als Inbegriff des modernen Schnellimbiss. Man muss allerdings auch zugeben, übermäßig viel Fantasie haben die Piraten nicht gerade an den Tag gelegt. Zwar wurde König Ronald gestürzt, am Produkt jedoch hat sich kaum etwas geändert. Sicherlich, ein paar kleine Anpassungen hat es in den Ladenlokalen schon gegeben. Notgedrungen eben. Da es schwierig sei, Nahrungsmittel in die Krisenregion zu bringen, wähle man für die tiefgefrorenen Zutaten den Umweg über Finnland. Dafür wäre aber auch die Qualität um ein Vielfaches gestiegen, schwärmt einer der Betreiber der neuen Burgerbuden in den höchsten Tönen.

Geändert haben sich dadurch auch die Preise. Deutlich teurer sei das Essen geworden, klagt ein Gast. Regelmäßig kämen er und seine Freunde hierher, eben so wie früher. Für eine Portion Pommes Frites müsse man jetzt allerdings umgerechnet einen Euro, also fast das Doppelte bezahlen. Deshalb könnten sie sich eben nur noch zwei Portionen leisten. Dafür bekommt man aber Cola, Pommes und Burger, die nie im sogenannten Big Mac-Index erscheinen werden. Außerdem heißt das Flaggschiff von Mc Donald’s nun nicht mehr „Big Mac“, sondern, ganz profan, „Big Mag“.

Natürlich haben sie am Namen der Lokale Veränderungen vorgenommen, aber eben auch nur Minimal. Mc Donald’s nennt sich in Donezk neuerdings schlicht „Mac Don“. In Lugansk nurmehr gar „Mc“. Dafür prangt stolz ein Leuchtkasten mit der Fahne der selbsternannten Volksrepublik neben dem Filialnamen. Zumindest im Inneren leuchtet immerhin noch das goldene „M“, das Markenzeichen der US-Kette. Den Kunden indes scheint das egal. Sie strömen nach wie vor in die Läden.

An die 40 Minuten wartete die Schlange nach der Neueröffnung geduldig, bis auch der Letzte am Selbstbedienungstresen sein Essen bekam. Ein wenig erinnert das an die stundenlangen Wartezeiten bei der Eröffnung des ersten Mc Donald’s-Restaurants am Moskauer Puschkinplatz 1990. Rund 30.000 neugierige Moskauer standen sich in freudiger Erwartung bis auf die Twerskaja Straße stundenlang die Füße platt.

[Michael Barth/russland.RU]

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.