Dilemma im russischen Fußball: Coach Capello soll gehen, aber wer soll das bezahlen?

Foto: Commons Wikimedia CC BY-SA 3.0 by SteindyFoto: Commons Wikimedia CC BY-SA 3.0 by Steindy
image_pdfimage_print

Nach der schwachen Leistung in der Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft gegen Österreich (0:1) spricht Russlands Fußballwelt nur von einem: Capello muss weg! Leider hat diese so offensichtliche Sache aber einen riesengroßen Haken: Der Italiener kann die astronomische Summe von 22,5 Millionen Euro Vertragsstrafe verlangen, und das Geld ist schlichtweg nicht vorhanden.

„Wenn er ein ganzer Kerl ist, geht er ohne Kompensation“, meint Wjatscheslaw Koloskow, ehemaliger Präsident des Russischen Fußballverbandes RFS. Immerhin hat Capello schon mal acht Monate ohne Lohn gearbeitet und dieses Unzustand ohne Murren hingenommen. Auch jetzt hat er wieder zwei Monate kein Gehalt bekommen. Aber wird er sich mit Schande hinauswerfen lassen und dann auch noch auf das Geld verzichten, das ihm per Vertrag zusteht?

Capello muss weg!

Noch berät der RFS, was zu tun ist mit dem Fußballlehrer, unter dem die Sbornaja in letzter Zeit ihr Gesicht, ihren Stil, ihren Mut und ihr Ansehen verloren hat. Die Quali für die EM 2016 in Frankreich ist in Gefahr, die Fans wenden sich entrüstet ab, die Spieler sind entsetzt über die eigene Leistung und verstehen die Welt nicht mehr. Jedem ist inzwischen klar: Mit Capello geht es nicht weiter, so schnell wie möglich muss ein neuer Trainer her. Heiß gehandelt wird dabei Leonid Sluzki von ZSKA Moskau, aber das sind bisher nur Gerüchte.

Russische Experten sind sich einig, dass der nächste Chef am Feldrand ein Russe sein sollte – das Modell mit ausländischen, sündhaft teuer bezahlten Trainern läuft aus. Aus verschiedenen Gründen, aber die Hauptsache ist im Moment: Der RFS sitzt tief in den Miesen und kann sich den Luxus, dem Coach im Jahr sieben Millionen Euro abzudrücken, einfach nicht mehr leisten.

Scheidung im Guten oder im Schlechten?

Die Entscheidung wird bis Ende Juni fallen, sagte am Dienstag Sportminister Vitali Mutko. Im Grunde genommen sei sie längst gefallen, deutete er an, sie müsse aber durch die entsprechenden Gremien abgesegnet werden. Also ist es nur noch eine Formalität.

Bleibt nur zu klären, ob bei der Scheidung schmutzige Wäsche gewaschen wird oder man sich gütlich einigt und in Frieden auseinandergeht. Bald werden wir es wissen.

[sb/russland.RU]