Digitaler Stau: Russlands Spediteure kämpfen mit elektronischen Frachtpapieren

Digitaler Stau: Russlands Spediteure kämpfen mit elektronischen Frachtpapieren

Der Umstieg auf elektronische Transportdokumente soll Abläufe vereinfachen. In Russlands Logistikbranche sorgt er zunächst für Verzögerungen und zusätzliche Arbeit. Unternehmen berichten von technischen Störungen – und greifen zur Absicherung wieder zum Papier.

Zehn Tage nach Einführung des verpflichtenden elektronischen Dokumentenaustauschs klagen russische Transportunternehmen über einen holprigen Start. Nach Angaben des Verkehrsministeriums wurden allein in der ersten Septemberwoche 8,2 Millionen elektronische Transportdokumente registriert, gegenüber 2,5 Millionen im gesamten August. Mehr als 261.000 Unternehmen sind inzwischen an das staatliche System angeschlossen. Das Ministerium verweist auf vier Jahre Vorbereitungszeit. Die von Kommersant befragten Unternehmen berichten dennoch von erheblichen Schwierigkeiten.

Besonders anschaulich beschreibt Igor Rebelski vom Logistikunternehmen VIG Trans den Aufwand: Ohne automatisierte Anbindung könne das Ausfüllen elektronischer Formulare 40 Minuten dauern, gegenüber drei Minuten auf Papier. Das ist eine Unternehmensangabe, kein ermittelter Branchendurchschnitt.

Probleme entstehen vor allem beim Austausch zwischen verschiedenen Dienstleistern. Dokumente bleiben hängen, Bearbeitungsstände werden nicht aktualisiert, Geschäftspartner können Unterlagen nicht finden. Auch vorbereitete Großunternehmen sind betroffen. FM Logistic lässt deshalb parallel Papierdokumente erstellen, um Verladungen aufrechtzuerhalten. Andere Spediteure berichten von überlasteten Supportdiensten und kostenpflichtigen Standzeiten.

Damit zeigt sich eine Schwäche vernetzter Verwaltungsverfahren: Die technische Bereitschaft eines einzelnen Unternehmens genügt nicht. Versender, Spedition und Empfänger müssen Unterlagen zuverlässig austauschen können. Eine stockende Datenübertragung kann so zum ganz praktischen Hindernis an der Laderampe werden.

Bis zum 1. März 2027 sollen Polizei und Transportaufsicht beim Fehlen des elektronischen Frachtbriefs zunächst auf Geldbußen verzichten. Die Umstellungspflicht bleibt jedoch bestehen. Für bestimmte Ausnahmefälle, darunter technische Störungen oder fehlende Internetverbindung, ist Papier weiterhin vorgesehen.

Auch steuerliche Sorgen beschäftigen die Branche. Der föderale Steuerdienst erklärte gegenüber der Zeitung, ein Papierfrachtbrief allein rechtfertige keine Verweigerung des Betriebsausgaben- oder Vorsteuerabzugs, sofern die objektive Unmöglichkeit der elektronischen Erstellung nachgewiesen werde.

Die Schonfrist schützt Unternehmen damit vor bestimmten Sanktionen. Den betrieblichen Aufwand beseitigt sie nicht. Solange Papier und elektronische Formulare parallel geführt werden müssen, droht die versprochene Vereinfachung zunächst zusätzliche Bürokratie zu erzeugen. Ob die Digitalisierung funktioniert, entscheidet sich für die Spediteure letztlich daran, ob ihre Lastwagen schneller abgefertigt werden.

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