Die Welt befindet sich in einem Zustand der Wirren

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Der Ex-Präsident der UdSSR, Michail Gorbatschow, meint, die Welt befindet sich heute in einem Zustand der Wirren. „In der Gegenwart ist die Welt sehr instabil.

Man kann sogar sagen, dass sie sich in einem Zustand der Wirren befindet“, sagte Michail Gorbatschow in seinem Bericht auf der internationalen Konferenz zum Thema „1985 – 2005: Zwanzig Jahre, die die Welt veränderten“ in Turin zum Jahrestag des Beginns der Perestroika.

Michail Gorbatschow vertrat die Auffassung, das hängt damit zusammen, dass „die Menschen es nicht hinnehmen, dass ihnen Standards aufgezwungen werden. Im Jahre 1963 sagte der amerikanische Präsident Kennedy: ‚Entweder ist das eine Welt für alle, oder es wird sie überhaupt nicht geben.‘ Diese Worte sind in der Gegenwart um so aktueller“.

Die Bilanz der beiden Jahrzehnte nach Beginn der Perestroika bewertend, sagte Michail Gorbatschow, dass ungeachtet aller Fehler, die die Reformer zu verantworten haben, die Perestroika sowohl im Land wie in der Welt einen Sieg errungen hat.

„Die demokratischen Prozesse im Land entwickelten sich bis zu dem Punkt, wo eine Rückkehr in die Vergangenheit unmöglich wurde“, sagte Michail Gorbatschow.

Er meint, die Perestroika war ein „sozialdemokratisches Projekt“ des Übergangs zur sozialen Marktwirtschaft. Doch „das Land beschritt einen anderen Weg, den Weg eines ungezügelten Kapitalismus“, sagte Michail Gorbatschow.

„Die Perestroika schuf die Voraussetzungen für die Schaffung einer neuen Weltordnung, doch leider blieben sie ungenutzt. Die gesamte Welt könnte zu Beginn des neuen Jahrhunderts ein anderes, besseres Entwicklungsszenarium haben“, erklärte Michail Gorbatschow zum Abschluss.

Die Konferenz in Turin wurde durch die Vereinigung Forum für Weltpolitik organisiert, der Michail Gorbatschow vorsteht. An ihrer Arbeit beteiligen sich Politiker, Parlamentarier, gesellschaftliche Repräsentanten und Politologen. Unter ihnen befinden sich viele zu Perestroika-Zeiten aktive Persönlichkeiten der Epoche: Michail Gorbatschow, Giulio Andreotti, Lech Walesa, Roland Dumas, Ion Iliescu, Helmut Kohl, Alexander Jakowlew und Wojciech Jaruzelski.