Die wahren Helden von Sotschi [Tag 9]

Man sieht sie meistens nicht im Vordergrund, sie haben in der Regel keine großartige Fernsehpräsenz, eigentlich würde man sie gar nicht bemerken. Und doch geht in diesen Tagen gar nichts ohne sie am Schwarzen Meer. Die Rede ist von den wahren Helden von Sotschi. Denn Sie wissen doch: Dabei sein ist alles!

Da gibt es doch tatsächlich Menschen in diesen ehrfurchtsvollen Olympischen Tagen, die nicht wie alle anderen gebannt in ihr Fernsehgerät schauen, um die nächsten Rekorde purzeln zu sehen. Nein, stattdessen brüten sie über ihrem guten alten Schulatlas um die elementare Frage zu beantworten, wo denn Sotschi nun eigentlich läge. Befindet sich die Perle am Schwarzen Meer nun noch in Europa oder gar schon in Asien? Das Grübeln ist durchaus berechtigt, denn tatsächlich gilt der Kaukasus als geographische Grenze zwischen den beiden Kontinenten. Zwar befinden sich die Olympischen Spiele an dessen Südwesrand und auch die Bewohner von Sotschi fühlen sich recht europäisch, aber das IOC hatte eine geradezu salomonische Lösung parat. Der gerechten Verteilung wegen, vergaben sie die Spiele kurzerhand nach Asien.

Felix Loch und Natalie Geisenberger, die beiden deutschen Goldmedaillengewinner im Olympischen Rodelwettbewerb, planen schon für eine Zeit nach Sotschi. Anfang März wird es schon wieder soweit sein. Dann wechseln die Zwei ihr Arbeitsgerät und werden sich im Eiskanal von Königssee einer anderen todesmutigen Aufgabe stellen, Stefan Raabs Wok-WM. Ihr größter Konkurrent hierbei wird ein ehemaliger Kollege sein. Der Hackl Schorsch, eine Lebende Legende des Suppentopfes, wird gewiss keine Geschenke verteilen. Schließlich ist er so etwas wie der abonnierte Weltmeister der Königsdisziplin in der eisigen Rinne.

Die letzten wahren Helden für den neunten Tag kommen gleich im Viererpack angewuselt. Als entspränge die Szene einer Idee der Disney-Studios oder der unnachahmlichen Trickfilmkiste der Mosfilm-Studios. Vier herrenlose Hundewelpen haben es sich vor dem Pressezentrum in Krasnaja Poljana gemütlich gemacht und damit das Herz des US-Amerikanischen Silbermedaillengewinners im Slope-Style, Gus Kenworthy, erobert. Die kleinen Racker werden nun voraussichtlich ihre große Fahrt in die „Neue Welt“ antreten. Wenn die sich mal nicht wie echte Helden fühlen.

(Michael Barth/russland.RU)

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.