Die wahren Helden von Sotschi [Tag 4]

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Die Welt schaut dieser Tage kollektiv auf Russland. Gut, nicht alle, es gibt auch einige, die demonstrativ zur Seite sehen. Sotschi liegt ja schließlich in Russland. In dieser Kolumne geht es nicht um Rekorde, sondern um die wahren Helden der Olympischen Winterspiele 2014. Denn Sie wissen doch: Dabei sein ist alles!

In dieser Kolumne dabei sind auf jeden Fall die Eishockey-Mädels aller teilnehmenden Nationen. Gerade erst neu ins Olympische Programm mit aufgenommen, geht’s auch schon zur Sache. Von wegen schwaches Geschlecht. Sie ackern, sie rackern und kämpfen genauso ruppig wie die Männermannschaften um den Puck. Nicht dass die Damen beißen, kratzen, spucken würden. Nein, die prügeln so richtig aufeinander ein. Helm runter, Handschuhe aus und ab die Post. Da möchte man(n) nicht unter die Räder, respektive Kufen geraten.

Der Sportler lebt nicht nur vom Gold allein. Auch all diejenigen, die sich hinter den Kulissen die allergrößte Mühe geben, damit die Olympischen Spiele reibungslos funktionieren, können nicht alleine von ihrer verantwortungsvollen Aufgabe zehren. Um das leibliche Wohl aller Aktiven kümmern sich daher hunderte fleißiger Hände von wahren Helden in den Olympischen Küchen, um hungrige Olympioniken mit nahrhafter russischer Cuisine satt zu bekommen. Auf Grund der geographischen Lage Sotschis ist anzunehmen, dass in erster Linie kaukasische Cross-Over Gerichte auf den Tisch kommen.

Tja und lange haben wir gegrübelt, ob wir das in Deutschland am meisten verbreitete, wenngleich auch das Umstrittenste, Boulevardblatt in unsere kleine Hall of Fame aufnehmen sollen oder nicht. Wir haben uns dafür entschieden. Denn die unverschämte Süffisanz, mit der das Blatt auf den etwas zu weit geöffneten Rennanzug der russischen Eisschnellläuferin Olga Graf reagierte, ist an Tiefgang schon kaum mehr zu überbieten. „Die ganze Welt hat gesehen, dass die Olga Graf nichts drunter hatte…“, so die Meldung. Sapperlott, das war natürlich wichtig, wir hätten es sonst gar nicht richtig mitbekommen. Jetzt wissen wir zumindest, was uns heute Nacht feuchte Träume beschert. In diesem Sinne: Spokonoi Notschi…

(Michael Barth/russland.RU)

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.