Die wahren Helden von Sotschi [Tag 17]

image_pdfimage_print

Aus, aus – das Spiel ist aus. Oh pardon, da haben wir uns in Zeit und Ort geirrt. Aber nun gut, die XXII. Olympischen Winterspiele in Sotschi sind ebenfalls seit gestern vorbei und die wahren Helden von Sotschi können sich nun auch langsam wieder auf den Heimweg machen. Oft haben uns ja die stillen Heroen im Hintergrund mehr Freude bereitet, als die Rekordjäger selbst. Denn Sie wissen doch: Dabei sein ist alles!

Zu den wahren Helden von Sotschi gehören unbedingt, wenngleich sie auch eher den Antihelden zuzuordnen sind, die beiden Giftspritzen von ARD und ZDF. Sowohl Ina Ruck als auch Anne Gellinek konnten es sich nicht verkneifen, bei Eröffnungs- und Schlussfeier der Spiele mehr als deutliche Seitenhiebe in Richtung Russlands zu verteilen. Beide wurden nicht müde zu betonen, wie ihr Bild des Landes, seiner politischen Führung und des nahezu reibungslosen Ablaufs der Veranstaltung gestrickt ist. Mitunter schon fast gehässig ließen die beiden Wallküren am Mikrophon ungeniert vom Stapel, was man alles hinein interpretieren konnte.

Wesentlich sympathischer dagegen kam die Aktion des Trainers des kanadischen Freestyle-Teams bei uns an. Trennon Paynter würdigte mit einer ganz besonderen Geste die nach einem Trainingsunfall 2012 verstorbene Sarah Burke. Eine Teilnahme bei den Olympischen Winterspielen wäre der größte Traum der damals 29-Jährigen gewesen. Auch wenn sie sich leider nicht mehr durch die Halfpipe in Sotschi tricksen konnte, war sie dennoch dabei. Andächtig trug Paynter ihre Asche durch die Wettkampfanlage des Rosa Chutor Extreme Parks und verstreute ihre sterblichen Überreste über den Olympischen Ringen. Tja Frau Ruck und Frau Gellinek, das ist wahre Olympische Größe!

Als letzter wahrer Held von Sotschi ist sicherlich der Schweizer Daniele Finzi Pasca zu erwähnen. Der Eidgenosse, seines Zeichens Theaterregisseur, zeichnete sich verantwortlich für die mehr als beeindruckende Inszenierung der Olympischen Abschlusszeremonie im Fischt-Stadion der Olympiastadt am Schwarzen Meer. Auch er konnte der Versuchung nicht widerstehen, eine kleine Spitze in Richtung der Organisatoren vom Stapel zu lassen. Jedoch tat er es ohne jeden bissigen Unterton, sondern charmant mit einem Augenzwinkern. In Anspielung auf den kleinen Vorfall während der Eröffnungsfeier, als sich der Letzte der fünf Olympischen Ringe nicht zeigen wollte, ließ Pasca das durch 700 Tänzer gebildete Symbol der Olympischen Spiele geraume Zeit unvollendet. Als sich dann endlich der fehlende Ring öffnete, brach ein Jubel los, der mit frenetisch nur unzureichend beschrieben wäre. Chapeau – Hut ab, der Letzte macht das Licht aus…

(Michael Barth/russland.RU)

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.