Die wahren Helden von Sotschi [Tag 15]

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Es geht bald vorbei mit den XXII. Olympischen Winterspielen in Sotschi. Ein bisschen Zeit haben wir jedoch noch, uns den Kuriosa am Rande zu widmen, ohne die Olympia nicht wirklich olympisch wäre. Wahre Helden werden sowieso meist fernab der Siegerehrungen und Podeste geboren. Denn Sie wissen doch: Dabei sein ist alles!

Eine wahre Heldin der ganz besonderen Art ist zum Beispiel eine 17-Jährige Kanadierin, die an Krebs erkrankt ist. Der Skirennläufer Brad Spence traf sie zufällig während eines Aufenthalts in einem Krankenhaus in Calgary. Wie der 29-Jährige ihr besonderes Talent erkannte, können wir Ihnen an dieser Stelle auch nicht wirklich sagen. Jedenfalls übergab er der Krebs-Patientin seinen Wettkampf-Helm mit den Worten: „Hier ist eine schwarze Leinwand – mach was draus“. Und sie machte. Zurückbekommen hat Spence seinen Helm mit einer Bemalung, die ihresgleichen sucht. „Als sie mir den Helm zurückgab, war ich sprachlos“, sagt der Olympionike über das Kunstwerk mit traditioneller slawischer Ornamentik, die in Gold, Silber und Bronze-Tönen gefasst ist.

Überhaupt, die Amerikaner und ihre Tierwelt. Nachdem sich offenbar die halbe Welt, uns nicht ausgenommen, mit dem clever eingefädelten Fake vom Wolf der Kate Hansen einen russischen Bären hat aufbinden lassen, präsentiert uns nun der US-Eishockey-Profi David Backes wieder tierisches real Existentes. Er sorgt sich um die Strassenhunde im Olympischen Sotschi. Als Mitgründer einer Tierschutz-Initiative von Spitzensportlern möchte er vor Ort noch viel mehr Menschen für ein besseres Dasein der Streuner sensibilisieren. Er möchte den Zamperln einfach ein besseres Zuhause ermöglichen. Einige Spielerfrauen konnte er von seinem Vorhaben wohl schon überzeugen. Wir hoffen jetzt allerdings nur, dass die Population der Hunde im Schwarzmeer-Ort nicht ganz vom Verschwinden bedroht ist.

Das Schweizer Boulevardblatt „Blick“ hat indes bereits die Medaillengewinner in den jeweiligen Olympischen Häusern fest gemacht. Demnach geht die Goldmedaille zweifellos an das Haus der Osterreicher. Nicht nur, dass es da schon sowieso viel zu feiern gab, konnte das 2,3 Millionen Euro teure Gebäude auch durch seine Kulinarik punkten. Die Sieger durften drinnen feiern und das Fußvolk wurde im Außenbereich auch noch satt. Nur Silber gab es für das Schweizer Domizil. Denen war schon vor Tagen der Raclette-Käse ausgegangen. Angeblich verliert sich die Spur der kostbaren Fracht irgendwo in den Tiefen Polens. Außerdem, so das Schweizer Boulevard, versprühe das Personal einen „Charme der Volkspolizei der ehemaligen DDR“. Holland erlangte einen stolzen dritten Rang, da sie scheinbar noch genug Käse und ein echtes Königspaar auf Lager hatten. Für Deutschland gab’s übrigens, nix…

(Michael Barth/russland.RU)

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.