Die wahren Helden von Sotschi [Tag 10]

Wir präsentieren sie, die wahren Helden von Sotschi. Kein Wettkampftag vergeht, ohne dass sie die heimlichen Heroen hinter den Kulissen der Olympischen Winterspiele 2014 stellen. Helden wie Du und Ich, aber wem ist das bewusst? Uns von russland.RU sind sie nicht egal. Denn Sie wissen doch: Dabei sein ist alles!

Der Sonntag ist Familientag. Das nehmen wir doch gerne zum Anlass, auch einmal die Angehörigen der Olympischen Teilnehmer vorzustellen. Als da zum Beispiel wäre, die Mutter des norwegischen Langläufers Martin Johnsrud Sundby. Sie hatte ihrem Sohn nach seinem, für sie unwürdigen, 13. Platz im Olympischen 15-km Wettbewerb erst einmal gehörig den Marsch geblasen. Und das auch noch im norwegischen TV-Sender DBTV. „Du bist der schlechteste Norweger. Du solltest nach Hause fahren!“, wetterte Gro Johnsrud Langslet landesweit durch den Äther.

Annähernd genauso wichtig wie die Familie ist natürlich auch das Wetter. Nicht das die Olympischen Winterspiele in Sotschi dem oft kolportierten subtropischen Klima zum Opfer fallen würden. Die Spiele in Vancouver, Turin und Salt Lake City standen auch unter frühlingshaften Vorzeichen und der Schnee schmolz schon beim Hinsehen. Aber dass Biathleten in kurzen Bermudashorts antraten, gab es wohl noch nie. Selbst die Mädels, naturgemäß etwas verfrorener als die Herren, traten im kurzärmeligen Dress zu ihrem Lauf an. Dafür, und dafür ist es Wetter, musste aktuell der Biathlon-Massenstart verschoben werden. Natürlich wegen des schlechten Wetters.

Und dann war da noch ein Nagel. Nein, nicht irgendeiner. Jener ist stolze 38 Zentimeter lang und steckt in einem Körper vom Knie bis hinunter zum Knöchel. Der muss da stecken, um das rechte Bein der britischen Skirennläuferin Chemmy Alcott zusammen zu halten. Das Dumme dabei ist nur, dass die 31-Jährige, ihres Zeichens Beste ihres Landes, damit durch die strengen Sicherheitskontrollen in Sotschi kommen muss. Was glauben Sie, was da an den Metalldetektoren jedes Mal geschieht? Sicherlich ahnen Sie es bereits, deshalb wünschen wir Ihnen mit einem herzlichen „Piiiep“ eine gute Nacht.

(Michael Barth/russland.RU)

 

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.