Die wahren Helden von Sotschi [Tag 2]

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Während aktuell die ganze Welt, na gut fast die ganze, die anderen boykottieren ja, auf Rekorde und Höchstleistungen lauert, erlauben wir uns Ihnen in dieser kleinen Kolumne die wahren Helden der Olympischen Winterspiele 2014 vorzustellen. Denn Sie wissen doch: Dabei sein ist alles!

Zunächst wäre da der Designer des deutschen Olympia-Outfits. Es geht aus den quietschebunten Anzügen nicht genau hervor, ob er einfach nur Mut zur Farbe bewies oder fürchterliche Rache an irgendjemandem üben wollte. Wer würde schon freiwillig so vor die Haustür gehen? Nein, nicht einmal um den Müll rauszubringen, die feixende Nachbarschaft wäre garantiert.

Julia Galyschewa, ihres Zeichens „Freestyle-Buckelpistenfahrerin“ (wow, was eine Berufsbezeichnung), kommt aus Kasachstan. Daher wo die Kamele mit den zwei Buckeln heimisch sind. Die größten Erfolge der 22-Jährigen waren bislang zwei erste Plätze bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Hier in Sotschi, bei den Winterspielen für die Grossen errang sie heute einen stolzen siebten Platz. Das sind zwar erst zwei Drittel der gesamten Miete, aber wir zollen an dieser Stelle schon einmal ein „dickes Respekt“.

Unbedingt zu den wahren Helden von Sotschi müssen auch die „pösen“ russischen Biathleten zählen, die dem deutschen Team selbstlos mit Material aushalfen, nachdem vor dem Start offenbar die bösen Mächte vor Ort so richtig in die Trickkiste gegriffen und den Deutschen alles kaputt gemacht haben. Diese Hilfsbereitschaft lässt einen beruhigt mit dem eigenen Fahrzeug nach Russland reisen, denn ist der Karren einmal festgefahren, gemeinsam kriegen wir den schon wieder raus. Nun ist Feierabend in Putins diabolischer Hölle Sotschi, bis morgen…

(Michael Barth/russland.RU)

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.