Die Ukraine: innerlich gespalten

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(Von Dr. Christian Wipperfürth) Die Kiewer Führung genoss nur im Westen und Norden weitgehende Unterstützung – die sie in den vergangenen zwei Jahren weitgehend verloren hat. Im Osten und Süden des Landes wurde und wird Kiew von der breiten Mehrheit der Bevölkerung durchweg abgelehnt.

Seit Anfang der 1990er Jahre gab es ein deutliches Muster: Im Westen und Norden des Landes erlangten ukrainisch-patriotische Parteien und Personen eine deutliche Mehrheit. Im Osten und Süden waren es hingegen Parteien und Personen, die für eine enge Bindung mit Russland warben (s. hierzu http://www.cwipperfuerth.de/2014/11/06/die-gespaltene-ukraine-eine-analyse-der-ukrainischen-wahlen/).

Russland hat in der Ukraine stark an Sympathien verloren, die Spaltung der Ukraine wirkt jedoch fast unverändert fort. So hielt eine breite Mehrheit im Norden und Westen den Umbruch des Maidan vom Jahresanfang 2014 für positiv, im Süden und Osten wurde er als ganz überwiegend negativ eingeschätzt.

Im Dezember 2016 vertrauten im Westen der Ukraine 65,2% der Befragten den ukrainischen Streitkräften, im Osten waren es nur 31,1%. Im Westen vertrauen immerhin noch 39,3% den ukrainischen Massenmedien, im Osten waren es nur 10%. Einig war sich die gesamten Bevölkerung in ihrer Ablehnung gegenüber der Führung in Kiew: So misstrauten im Westen 61,9% dem Präsidenten, im Osten sogar 79,1% (http://www.kiis.com.ua/?lang=eng&cat=reports&id=678&page=1

Im Westen, Norden und Zentrum des Landes befürwortete eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung im März 2015 den Einsatz gewaltsamer Mittel bzw. Blockaden, um die Kontrolle über die abgespaltenen Gebiete im Donbas zurück zu gewinnen. Diese wurden im Osten und Süden hingegen weitgehend abgelehnt.

Bei einer späteren Umfrage eines anderen Instituts ergab sich ein ähnliches Bild.

Im Westen der Ukraine folgt zumindest eine relative Mehrheit der Bevölkerung der offiziellen Version: Der Konflikt im Donbas sei ein Krieg zwischen der Ukraine und Russland. Im Osten glaubt nur eine kleinere Minderheit diese Version, dort sieht man die Ursachen des Konflikts eher innerhalb der Ukraine.

 

Quellenangaben:

Folie 1:

UKRAINE-ANALYSEN NR. 154, 24.06.2015, S. 10, nach: »Volksrepublik Donezk« / »Volksrepublik Luhansk«; Anmerkung: Insgesamt wurden 2.800 Menschen in allen Regionen der Ukraine außer der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol befragt. Quelle: Repräsentative Umfrage des Ukrainischen Jaremenko-Instituts für Sozialforschung (UISR), zusammen mit dem Zentrum Soziales Monitoring (SMC) vom 13. bis zum 20. März 2015, <http://www.uisr.org.ua/img/upload/files/2015%2004%2009%20PR_SMC&UISR.pdf>

Folie 2:

UKRAINE-ANALYSEN NR. 154, 24.06.2015, S. 12, nach: »Volksrepublik Donezk« / »Volksrepublik Luhansk«; Anmerkung: Insgesamt wurden 2.800 Menschen in allen Regionen der Ukraine außer der Autonomen Republik Krim und der Stadt Sewastopol befragt. Quelle: Repräsentative Umfrage des Ukrainischen Jaremenko-Instituts für Sozialforschung (UISR), zusammen mit dem Zentrum Soziales Monitoring (SMC) vom 13. bis zum 20. März 2015, <http://www.uisr.org.ua/img/upload/files/2015%2004%2009%20PR_SMC&UISR.pdf>

Folie 3:

Quelle: Repräsentative Umfrage des Razumkow-Zentrums vom 6. bis zum 12. November 2015, N=2.008, <http://razumkov.org.ua/upload/1449050147_file.pdf>, in: Ukraine-Analysen 161, S. 21

Folie 4:

Quelle: Repräsentative Umfrage des Razumkow-Zentrums vom 6. bis zum 12. November 2015, N=2.008, <http://razumkov.org.ua/upload/1449050147_file.pdf>, in: Ukraine-Analysen 161, S. 19

 

Über den Autor

Dr. Christian Wipperfürth
Arbeitet als Freier Publizist, Er hat zuvor für das Europäische Parlament bzw. den Deutschen Bundestag gearbeitet und Internationale Beziehungen an der Universität in St. Petersburg gelehrt.