Die russische Gesellschaft wird plötzlich aus ihrem Schlaf erwachen

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[Ein Interview von Alex Belaew] – Der russische Sozialist und Soziologe Boris Kagarlitzki über die Linke in Russland, Putin als Nationalsymbol, die russische Politik in Syrien und seine schillernden Ansichten über Europa:

Boris, in den 80ern hast du dich mit den Autoritäten angelegt. In den 90ern wurdest du in den Moskauer Sowjet gewählt und hast die Sozialistische Partei mitgegründet. Du hattest auch Kontakte zur KP der Russischen Föderation und diversen Gewerkschaften. Damals passierte in Russland auf linker Seite noch einiges. Nun bist du der Direktor des „Instituts für Erforschung der Globalisierung und sozialen Bewegungen“ in Moskau. Wie sieht es heute mit der russischen Linken aus, wenn man so allgemein fragen darf? Oder konkreter: Gibt es gegenwärtig in Russland bemerkenswerte linke Organisationen oder Bewegungen, die Potenzial haben?

Boris Kagarlitzki: Die Lage der Linken in Russland kann man als widersprüchlich charakterisieren. Einerseits ist die Popularität linker Ideen augenfällig – sie sind sogar zur Mode geworden. In dieser Hinsicht ist die Situation überhaupt nicht die, wie sie beispielsweise noch Mitte der 1990er war. Nur spiegelt sich das auf keine Weise im politischen Prozess wider. Und das liegt nicht an den linken Organisationen selbst, sondern am Zustand der Gesellschaft.

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