Die Präsidentenrede zur Föderations-Versammlung (Teil 1)

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Vor einem Publikum von mehr als 1.000 Anwesenden hielt Russlands Präsident Wladimir Putin seine traditionelle Ansprache. Hier die Rede im Originalwortlaut auf Deutsch übersetzt.

Wladimir Putin:

„Bürger Russlands, Mitglieder des Föderationsrats, Staatsdumaabgeordnete.

Ich würde gerne meine Ansprache mit Worten des Dankes an das russische Militär beginnen, das den internationalen Terrorismus bekämpft.

Heute, hier im St. Georg-Saal, einem historischen Saal des russischen militärischen Ruhms, haben wir Kampfpiloten und Vertreter der Streitkräfte, die an der Antiterroroperation in Syrien teilnehmen.

Gelena Peschkova und Irina Pozynitsch, die ihre Männer im Krieg gegen den Terror verloren, haben sich uns auch angeschlossen. Mein tiefstes Beileid an sie und an die Eltern unserer Helden.

Ich würde gerne der Soldaten gedenken, die ihr Leben gelassen haben, während sie ihre Pflicht im Interesse aller russischen Bürger erfüllt haben und durch die Hände von Terroristen gefallen sind.“

(Schweigeminute)

„Kollegen,

Russland ist lange an der vordersten Reihe des Kampfs gegen den Terrorismus gewesen. Das ist ein Kampf für die Freiheit, Wahrheit und Gerechtigkeit, für das Leben von Leuten und die Zukunft der kompletten Zivilisation.

Wir wissen um die Aggression des internationalen Terrorismus. Russland hat ihm  Mitte der 1990er Jahre gegenübergestanden, als unser Land, unsere Zivilbevölkerung, unter den grausamen Angriffen gelitten hat. Wir werden die Geiselnahmen in Budyonnovsk, Beslan und Moskau, die gnadenlosen Explosionen in Wohngebäuden, der Expresszugentgleisung von Nevsky, die Druckwellen in der Moskauer U-Bahn und dem Flughafen von Domodedovo nie vergessen.

Diese Tragödien haben das Leben Tausender genommen. Wir trauern immer noch um sie und werden immer gemeinsam mit den Opfern trauern. Wir haben fast ein Jahrzehnt gebraucht, um schließlich das Rückgrat jener Kämpfer zu brechen. Wir haben es fast geschafft, die Terroristen aus Russland zu vertreiben, aber kämpfen noch mit dem verbleibenden terroristischen Untergrund. Dieses Übel ist noch da. Vor zwei Jahren sind zwei Angriffe in Wolgograd begangen worden. Ein russisches Zivilflugzeug wurde kürzlich über dem Sinai vernichtet. Internationaler Terrorismus wird niemals alleine nur durch ein Land bekämpft. Besonders in einer Situation in der die Grenzen praktisch offen sind und die Welt eine Umsiedlung von Menschen durchläuft, während Terroristen regelmäßige finanzielle Unterstützung bekommen.

Terrorismus ist heute eine wachsende Bedrohung. Das Problem von Afghanistan ist noch nicht gelöst worden. Die Situation dort ist beunruhigend und gibt uns keinen Anlass zu Optimismus, während einige der relativ friedlichen und stabilen Länder im nahöstlichen und nördlichen Afrika – der Irak, Libyen und Syrien – jetzt in eine Verwirrung und Anarchie eingetaucht sind, die eine Bedrohung für die ganze Welt darstellen.

Wir alle wissen, wie das geschehen ist. Wir wissen, wer sich dazu entschlossen hat, die unerwünschten Regime zu vertreiben und ihnen brutal die eigenen Regeln aufzuerlegen. Wohin hat das geführt? Sie haben Probleme geschürtt, haben die Souveränität der Länder zerstört, haben Menschen gegeneinander gehetzt, und dann “haben ihre Hände in Unschuld gewaschen”, wie wir in Russland sagen und den Weg für radikale Aktivisten, Extremisten und Terroristen geebnet.

Die Kämpfer in Syrien stellen eine besonders hohe Bedrohung für Russland dar. Viele von ihnen sind Bürger Russlands und der GUS-Staaten. Sie haben Geld und Waffen und sammeln Stärke. Wenn sie stark genug werden , um dort zu gewinnen, werden sie in ihre Heimatländer zurückkehren, um Angst und Hass zu säen, zu explodieren, Leute zu töten und zu foltern. Wir müssen kämpfen und sie dort in ihrer Heimat beseitigen.

Deswegen haben wir uns dafür entschieden und Militäreinsätze dort auf eine offizielle Bitte der legitimen syrischen Behörden gestützt. Unser Militär kämpft in Syrien für Russland und um die Sicherheit von russischen Bürgern.

Die russische Armee und Marine haben ihre Kampftüchtigkeit und ihre erweiterten Fähigkeiten überzeugend unter Beweis gestellt. Moderne russische Waffen haben sich als wirksam erwiesen und ihr unschätzbarer Einsatz von ihnen in Kampfbedingungen wird analysiertwerden und dafür angewandt, um unsere Waffen und militärische Ausrüstung weiter zu verbessern. Wir sind unseren Ingenieuren, Arbeitern und allem anderen Personal unserer Verteidigungsstabs dankbar.

Russland hat enorme Verantwortung und Führung im Kampf gegen den Terrorismus gezeigt. Das russische Volk diese entschlossenen Handlungen unterstützt. Die entschlossene Haltung unserer Leute stammt von einem gründlichen Verständnis der von Terrorismus, Patriotismus, hohen moralischen Qualitäten ausgehenden Gefahr und der Überzeugung, dass wir unsere nationalen Interessen, Geschichte, Traditionen und Werte verteidigen müssen.

Die internationale Gemeinschaft sollte durch die Erfahrung gelernt haben. Die historischen Parallelen sind in diesem Fall unleugbar.

Der Widerwillen sich Kräften des Nazismus anzuschließen, hat uns im 20. Jahrhundert Millionen Leben im blutigsten Weltkrieg der menschlichen Geschichte gekostet.

Heute stehen wir wieder von Angesicht zu Angesicht vor einer zerstörenden und barbarischen Ideologie und wir dürfen diesen neuzeitlichen dunklen Kräften nicht erlauben, ihre Absichten zu erreichen.

Wir müssen aufhören zu debattieren und unsere Differeenzen vergessen, um eine allgemeine Antiterrorfront zu errichten, die in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht und unter der UN-Schutzherrschaft handeln wird.

Jedes zivilisierte Land muss zum Kampf gegen den Terrorismus beitragen, seine Solidarität erneut bestätigen, nicht durch Worte, sondern mit Taten.

Das bedeutet, dass den Terroristen nirgendwo Unterschlupf gegeben werden darf. Es soll keine doppelten Standards geben. Keine Kontakte mit Terroristenorganisationen, keine Versuche sie für selbstsüchtige Absichten zu verwenden. Kein kriminelles Geschäft mit Terroristen.

Wir wissen, dass sich die Türkei die Taschen vollstopft und Terroristen durch den Verkauf von Öl gedeihen lässt, das sie in Syrien gestohlen haben. Die Terroristen verwenden diese Einnahmen, um Söldner zu rekrutieren, Waffen zu kaufen und unmenschliche Terrorangriffe gegen russische Bürger und gegen Leute in Frankreich, dem Libanon, Mali und anderen Staaten zu planen. Wir erinnern uns, dass die Kämpfer, die im Nordkaukasus in den 1990er Jahren und 2000er Jahren Unterschlupf gefunden und von dort aus operiert haben, moralische und materielle Hilfe aus der Türkei erhalten haben. Wir finden sie dort immer noch.“

hier geht es zum zweiten Teil der Rede >>>