Die „Panama-Papers“ – Ein Blick über den Tellerrand

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Putin ist schuld – wer auch sonst. Die ominösen „Panama-Papers“, wie aus dem Nichts auf einmal aufgetaucht, lassen zunächst keinen Zweifel daran, dass ebendieser Putin schon wieder in die allerübelsten Machenschaften verstrickt ist. Es geht um Geld, um was auch sonst? Geld, viel Geld sogar – Geld mit dem Russland ja so gerne kolportiert wird.

Feixend, einer mittelalterlichen Hexenverbrennung gleich, stürzt sich die Masse auf den Angeklagten, obwohl noch nichts bewiesen ist. Die Frage ist, ob es überhaupt etwas zu beweisen gäbe. Denn in den Veröffentlichungen dieser „Panama-Papers“ prangt das Konterfei des russischen Präsidenten zwar auf jedem Titelblatt, nur taucht sein Name eigentümlicherweise in keinem weiteren Zusammenhang mit der Enthüllung jemals wieder auf.

Im weiteren Verlauf der Sensationsgeschichte werden zwar Namen aus dem Umfeld Putins genannt, so zum Beispiel ein betrügerischer Cellospieler, die Rotenberg-Brüder sowie führende Köpfe der Wirtschaft, aber wer den Präsidenten sucht, wird in den Unterlagen nicht fündig werden. Nicht einmal in den Top-Ten des Prangers ist Russland vertreten. Angeführt von Hongkong liest sich die Liste wie eine Weltreise.

Prominenz allerorts, doch wo finden sich Deutsche und Amerikaner?

Auch die Liste der Betroffenen gestaltet sich wie ein who-is-who der Prominenz rund um den Globus. Ausnahmefußballer Lionel Messi, der ukrainische Präsident Poroschenko, der König von Saudi-Arabien, Islands Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson oder auch Argentiniens Präsident Macri und sogar Formel-1 Rennfahrer Niko Rosberg. Sie alle stehen einträchtig nebeneinander, nur eben jener Wladimir Putin fehlt beim bunten Stelldichein. Dafür taucht, ebenso wie aus dem Nichts, ein altbekannter Deutscher auf.

Werner Mauss, der mysteriöse Agent, der bis zum Ende der 90-er Jahre weltweit agierte, zwischenzeitlich abtauchte und nun im Zusammenhang mit der Affäre um die Briefkastenfirmen plötzlich wieder ans Licht kam, soll Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben. Ein großer Knotenpunkt in diesem Geflecht soll laut den „Papers“ die „Deutsche Bank“ gewesen sein. Überhaupt werden unter mehr als 500 Banken weltweit, 28 deutsche Geldinstitute benannt, die in den Skandal verwickelt seien und rund 1.200 Offshore-Firmen gegründet haben sollen.

Und da stellt sich die berechtigte Frage: Was würde, was könnte, was müsste geschehen, sollte nun auch der Dunstkreis der deutschen Bundesregierung betroffen sein? Wäre dann, wenngleich möglicherweise auch unberechtigt, die Bundeskanzlerin in der gleichen Form stigmatisiert worden wie der russische Präsident? Bei diesem Gedankenspiel drängt sich zusätzlich der Verdacht auf, dass diese Enthüllungen womöglich bislang unvollständig veröffentlicht wurden. Denn, und das ist auffällig, es wird auch niemand aus dem Umfeld des US-Präsidenten bezichtigt.

Sollte gar der Kreml, schon seit einiger Zeit verlautbart durch den Präsidentensprecher Dmitri Peskow, recht behalten, wenn er dem Westen eine regelrechte Medienkampagne gegen Russland nachsagt? Es scheint tatsächlich kein Vorurteil mehr zu sein, dass das plakative Konterfei Putins, das die Medienlandschaft zierte, einem bestimmten Zweck dienen könne. Der Diskreditierung Russlands unter seinem derzeitigen Präsidenten.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.