Die norwegische Aftenposten: Unnormal und starke Reaktion

Aftenposten
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Eine der seriösesten Zeitungen Norwegens hat zum Abschuss des russischen Kampfjets einen Artikel veröffentlicht. Wir haben ihn übersetzt:
Aftenposten schreibt:

Ein norwegischer Kampfpilot glaubt, dass der Abschuss des Kampfflugzeuges vorbereitet war. 

17 Sekunden sind eine sehr kurze Zeit. Die Türken müssen vorher entschieden haben, zu schießen, wenn jemand die Grenze kreuzt, sagte Oberstleutnant Geir Ødegaard, der Oberlehrer am National Defence College.

In die Türkei verflogen?

Die Information, dass der russische Kampfflieger 17 Sekunden im türkischen Luftraum war, stammt von türkischen Behörden. Ødegaard, der einen Hintergrund als Kampfpilot hat, meint dass das  gut mit den veröffentlichten Karten übereinstimmt. Der Kurs, der auf der Karte eingezeichnet ist, zeigt dass das Flugzeug einige Kilometer über türkisches Gebiet flog.

Die Russen behaupten wiederum, dass die beiden Flugzeuge, die sie in der Gegend hatten, nicht in türkischen Luftraum waren. Russland sagt auch, dass sie nicht gewarnt wurden.

Die Russen glauben auch, dass der Abschuss von der türkischen Seite vorbereitet und durchdacht war.

Das sieht wie eine geplante Aktion aus, mit der provoziert werden sollte, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow auf einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Nicht der Pilot, der entscheidet

In Friedenszeiten ist es in der Regel nicht der Pilot, der eine solche Entscheidung trifft. Dies geschieht auf einer höheren Ebene. Der Pilot hat ständigen Kontakt mit einer Zentrale auf dem Boden, sagt Ødegaard.

Andere Quellen in der norwegischen Luftwaffe bestätigen AFTENPOSTEN, dass es in 17 Sekunden nicht möglich gewesen sein kann, zu entscheiden, und auf eine Grenzverletzung zu reagieren.

Unnormal und starke Reaktion

Geir Ødegaard erinnert daran, dass die Türken in der letzten Zeit gesagt haben „genug ist genug“, und dass sie die Grenzverletzungen nicht akzeptieren.

Dies ist eine außergewöhnliche und sehr starke Reaktion. Entlang der norwegischen Küste können wir Flugzeuge abfangen, bevor sie norwegisches Gebiet verletzen, weil sie im internationalen Luftraum über dem Meer fliegen. In diesem Fall haben sie aber eine Grenze und eine viel kürzere Zeit. Es ist jedoch dennoch nicht die normale Reaktion in Friedenszeiten. Aber dies ist ein Kriegsgebiet, und es erscheint unnötig und unklug von den russischen Flugzeugen, so nahe an der türkischen Grenze zu fliegen, wenn sie wissen, dass die Türkei zuvor scharf gegen diese protestiert, sagt Ødegaard.

Die Rollen im Jahr 2012 waren umgekehrt

Im Jahr 2012 waren die Rollen vertauscht. Damals wurde ein türkisches Kampfflugzeug von syrischen Regierungstruppen vor der Küste Syriens abgeschossen. Damals waren es die Türken, die sagten sie hätten den Luftraum des Nachbarlandes nicht verletzt hatten, während die Syrer behaupteten, sie hätten es getan. Damals sagte der türkische Führer Recep Erdoğan Tayiip laut BBC: „Eine kurzzeitige Grenzverletzungen können kein Vorwand für einen Angriff sein.“

Laut den Behörden Griechenlands verletzen türkische Flugzeuge regelmäßig die griechische Grenze.

Es kann Unaufmerksamkeit gewesen sein

Es ist nicht sicher, ob die Türken tatsächlich Zeit hatten, die Raketen abfeuern, während das russische Flugzeug über die Türkei war.
Aber es sieht aus, als ob sie es im syrischen Luftraum trafen, sagt Ødegaard.

Laut russischem Präsidenten Wladimir Putin wurde das Flugzeug 1 km weit über syrischem Gebiet getroffen und stürzte vier Kilometer landeinwärts ab.

Nach Ødegaard kann man schnell auf die falsche Seite der Grenze kommen, ohne es beabsichtigt war.

Schon wenn er für einen Augenblick unaufmerksam war, kann er fehlnavigiert haben oder sie hatten Probleme mit den Navigationsgeräten oder ihren Wenderadius falsch berechnet. Dies ist ein paar Mal bei norwegischen Fliegern an der schwedischen Grenze passiert ist, sagt Ødegaard.

Es ist nicht sicher, dass die Piloten wussten, dass sie angegriffen wurden

Laut der Türkei warnten sie das russische Flugzeug zehn Mal in den letzten fünf Minuten bevor sie die Rakete abfeuerten.

Unklar ist, ob die Russen das gehört haben. Solche Warnungen werden über die Notfallfrequenz gesendet, die normalerweise abgehört wird, aber es gibt bisher nichts, was darauf hindeutet, dass die russischen Piloten wussten, dass sie angegriffen wurden, sagt Ødegaard.

Die Russen sagen, dass ihre Piloten von den Türken nicht gewarnt wurden.

Weiss man, wenn eine Rakete auf das eigene Flugzeug eingelockt wird?

Bei Verwendung von Radar, um die Rakete einzulocken (sie auf das Ziel einzustellen), wird vom betroffenen Flugzeuge bemerkt. Dann piepst es im Cockpit und es kommt eine Warnung auf dem Bildschirm. Aber Sie können auch wärmesuchende Raketen verwenden, ohne Radar, und dann wird es in dem betroffenen Flugzeug nicht bemerkt, so Ødegaard.

In den Rücken gefallen

Der Vorfall am Dienstag löste einen heftigen Krieg der Worte zwischen der Türkei und Russland aus und die NATO rief eine Dringlichkeitssitzung ein. Putin nannte den Angriff „ein Dolchstoß in den Rücken“ und die Folgen würden gravierend sein.

Versöhnliche Aussagen

Am Mittwoch, sagte der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu, dass sie [die Türkei] die Spannungen mit Russland zu verringern wollen, und dass Russland der Türkei „Freund und Nachbar“ sei. Er bezeichnete den Vorfall als „eine Kommunikationsunfall“, und dass sie die Nationalität des Kampfflugzeuges nicht kannten, als sie schossen, aber die Russen immer wieder wegen den Grenzverletzungen gewarnt hätten.

Lawrow: Keine Kriegspläne

Wir beabsichtigen nicht, mit der Türkei einen Krieg zu beginnen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch.
Sagte aber, dass Russland reagieren muss:

Wir können nicht umhin, nach dem, was passiert ist, zu reagieren, sagte Lawrow.

Unsere Haltung gegenüber dem türkischen Volk hat sich nicht geändert. Wir haben Fragen zu den Aktionen der aktuellen türkischen Führung, sagte Lawrow.

Beileid für Piloten

Lawrow führte am Mittwoch ein Telefongespräch mit dem türkischen Außenminister, bei dem der türkische Außenminister sein Beileid wegen dem Tod des russischen Piloten aussprach.

Der türkische Außenminister begann, indem er sein tief empfundenes Beileid wegen dem Tod des russischen Piloten und sein Bedauern über das, was passiert ist, aussprach. Gleichzeitig versuchte er aber, die Aktionen der türkischen Luftwaffe zu entschuldigen, indem er darauf bestand, dass das russische Flugzeug den Luftraum der Türkei verletzt habe, sagte Lawrow.

Installieren einer Flak-Batterie

Der russische Außenminister wies darauf hin, dass eine Notkommunikationsleitung zwischen der russischen operativen Führung und dem türkischen Verteidigungsministerium eingerichtet wurde, als der russische Militäreinsatz in Syrien begann.

Diese wurde noch nie verwendet wurden, weder gestern noch früher. Das werfe auch einige ernste Fragen auf, sagte Lawrow.

Die Russen kündigten am Mittwoch an, dass sie nun S-400 Flugabwehrraketen auf dem Luftwaffenstützpunkt Hmeimim, von wo aus russische Kampfflugzeuge operieren, in Syrien aufstellen.