Die Maidan-Rebellen strecken ihre Hand nach Osten aus

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Um mehr zu erfahren ist es ratsam mit Menschen vor Ort zu sprechen. Während es sich in den deutschen Medien eingebürgert hat nur mit denen zu sprechen, die einem die eigenen Vorurteile bestätigen oder sich Informationen gleich von der Kiewer Regierung ins Notizbuch schreiben zu lassen, gibt es immer noch Journalisten die an wirklichen Informationen interessiert sind.

Zwei Journalisten der norwegischen Aftenposten (die norwegische „FAZ“) sind in die Ukraine auf den Euromaidan in Kiew gefahren um mit den Leuten dort zu reden.

Die Aussagen die sie dort hörten zeigen andere Einblicke als die, die man sonst aus den deutschen Medien erfährt.

Es ist jetzt Krieg – Wir müssen das einsehen – Wir müssen jetzt verhandeln, sagt der Führer der Maidan-Rebellen

Eine Mischung aus afghanischen Veteranen, Kosaken, Nationalisten und Rechtsextremisten empfing die Journalisten am Maidan in Kiew an diesem Morgen.

Sie standen mitten im Flammenmeer, als Präsident Viktor Janukowitsch durch den Aufstand auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan im Februar gestürzt wurde und halten den Platz, auf dem im Februar 102 Demonstranten ermordet wurden, immer noch besetzt.

Nun fordern sie, dass die neue Regierung in Kiew Verhandlungen mit Rebellen im Osten der Ukraine eröffnet.

„Wir sind alle Veteranen die hier sind. Jeder weiß, was wir getan haben. Unsere Freunde haben ihr Leben geopfert, um das System zu ändern, um die Ukraine zu ändern“, sagte Vasleslav Kokolov.

Er führt das „Veteranen Bataillon“ mit Hunderten von ukrainischen Ex-Soldaten aus Afghanistan.

Während in den östlichen Gebieten der Ukraine immer wieder Kämpfe aufflammen und sich die Volkswehren immer weiter auf kriegerische Auseinandersetzungen vorbereiten, der Präsident als auch der Ministerpräsident der Ukraine sich rundweg weigern, mit denen, die sie Terroristen nennen, zu verhandeln, erklärt Kokolov gegenüber den Journalisten der norwegischen Aftenposten ganz klar: „Wir wollen keinen Krieg, wir wollen Verhandlungen. So einfach und deutlich ist das“.

Waffenruhe und Gefangene

Die Maidan-Gruppen haben viele paramilitärischen Gruppen in den Osten geschickt. Sie wollen nicht sagen, wie viele, aber viele ihrer Freunde sind jetzt in der Gefangenschaft der prorussischen Rebellen in Donetsk, erfahren die Journalisten von den Maidanern.

Die Maidan-Demonstranten sagen gerade heraus, dass sich die Rebellion im Osten nicht nur um Russland und Putin dreht, obwohl er alles tut, um die jetzige provisorische Regierung des Landes zu untergraben. „Es gibt einen umfassenden Krieg in der Ukraine. Es ist kein Bürgerkrieg. Es ist reiner Krieg. Städte werden eingenommen, Menschen werden getötet und gefangen genommen und Zivilisten werden getötet“, sagt Nazar Muhasjov, Leiter der Gruppe „25 Hundert“.

„Ich war im Osten und habe versuchte, mit den Rebellen in Donetsk zu reden. Wir müssen mit der andere Seite reden“, so Muhasjov weiter. „Ich habe mich mit ihnen getroffen. Die Rebellen im Osten haben ihre Ideale und Forderungen. Nachdem wir über die Gefangenen gesprochen hatten, sprachen wir über Ideologie. Sie versuchten mit den Behörden in Kiew reden und baten darum, angehört zu werden. Niemand will mit ihnen reden, und darum haben sie zu den Waffen gegriffen.“

Ein Plan für den Frieden

Die meisten Menschen in Kiew – Politiker, Journalisten und Geschäftsleute – sehen herab auf die Maidangruppen, die noch Stand halten. Sie seien post-traumatische und verwirrte Arbeitslose, die noch nicht mitbekommen hätten, dass der Aufstand vorbei ist.

Gleichzeitig erfüllen sie sowohl in als auch außerhalb von Kiew eine Reihe von wichtigen Sicherheitsaufgaben. Mehrere Hotels, öffentliche Gebäude, Gasleitungen, Kreuzungen und andere Schlüsselpositionen haben ihre eigenen Selbstverteidigungsgruppen, schreiben die Journalisten von Aftenposten.

Friedensplan

Die Führer der Selbstverteidigungsgruppen des Maidan präsentieren folgenden Friedensplan:

1) Waffenstillstand

2) Austausch von Gefangenen.

3) Verhandlungen mit allen Seiten/Parteien.

„Es ist besser, heute zu reden, als sich morgen gegenseitig umzubringen. Die meisten Menschen, die bisher getötet wurden, waren gewöhnliche Aktivisten“, sagte Volodin Norubin, ein anderer Maidan-Führer.

Wollen Sie wirklich mit Terroristen zusammenarbeiten, fragte ein ungläubiger ukrainischer Kiewer Journalist.

„Viele von ihnen sind wie wir, auch wenn wir wissen, dass auch Russen da sind. Sie haben Angst und sind wütend auf die Regierung und die Terror-Operation. Sie denken, wir sind Banditen und Faschisten, die das Land regieren. Deshalb müssen wir zusammen reden.“

Kapitän Andrej Kuslov aus der Gruppe 28, einer russisch-dominierten Maidangruppe, erzählt, dass seine Mutter Ukrainisch und sein Vater Russe seien.

„Es ist äusserst traurig mit an zu sehen, wie sie unser Land zerstören. Wir wissen, dass die Russen dahinterstehen, aber jeden Tag werden Menschen in Donezk getötet. Wir müssen miteinander reden“, sagte Kuslov.