Die Krim unter Strom

Foto: maxmann CC0 Public Domain via Pixabay

Langsam, dafür beständig, nimmt die Infrastruktur auf der russischen Halbinsel Krim Formen an. Pünktlich zu Weihnachten konnte eine weiterer Meilenstein zur Entwicklung unter alter neuer Flagge präsentiert werden – Strom aus Russland.

Seit einiger Zeit pfiffen es die Spatzen von den Dächern – die Krim bekommt bald ihre eigene Energie. Einen Tag vor Heiligabend noch versprach der russische Präsident Wladimir Putin die Inbetriebnahme einer eigenen, von der Ukraine unabhängigen, Energietrasse vom russischen Festland aus. Gestern kam bereits die Jubelmeldung, es sei vollbracht. Pünktlich zum Fest gehören kalte, ungeheizte Winter auf der Krim nun endgültig der Vergangenheit an. Eine Pipeline macht dies möglich.

Dank Videokonferenz durften gestern Wladimir Putin, der Gouverneur der Republik Krim, Sergej Aksjonow und der Generaldirektor von „Tschernomorneftegas“, Igor Schabanow die Erdgas-Doppel-Pipeline feierlich in Betrieb nehmen. Als Einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der Halbinsel reflektierte der Präsident während der Eröffnung die Bedeutung der Trasse. Wörtlich erklärte er: Еs ist jetzt eine sehr wichtige Lösung für die Entwicklung der Krim auf eine dauerhafte Perspektive. Ich denke, dass die Einspeisung des russischen Hauptleitungsgases auf  die Krimhalbinsel es uns erlauben wird, eine ganz neue Situation, unter dem Gesichtspunkt der Entwicklung des ganzen Wirtschaftskomplexes, zu schaffen.“

Unzweideutige „Entwicklungshilfe“

Ebenso betonte er die Entwicklung der sozialen Sphäre der Krim und Sewastopols. Putin übernahm den ersten Schritt und gratulierte allen Bewohnern der Krim, die am Bau der Gasleitung beteiligt waren, auch wenn es bisher „nur“ der erste Schritt war. Wir werden zusammen mit den regionalen Behörden, auf kommunaler Ebenen und den föderalen Machtorganen alles machen, damit das Gas so schnell wie möglich beim Endverbraucher angekommt“, so das Staatsoberhaupt. Letztendlich sollen es 2.000 Megawatt an selbst produzierter Energie sein, so wird geschätzt.

Dies wird deutlich mehr sein, als die früher von der Ukraine eingebrachten 800 Megawatt, die seit 2014 auch wiederholt Opfer von Anschlägen auf die abtrünnige Republik gewesen waren. Allein während des Gipfels der Belastung liegt der Verbrauch bei bis zu 1,300 Megawatt. Aus einer 358,7 Kilometer langen Gasleitung von der Halbinsel Taman aus, die die Straße von Kertsch und die Insel Tusla durchquert, wird das Gas an mehrere kleinere Kraftwerke auf der Krim geleitet, um so die benötigte Energie zu produzieren. Gleichzeitig wurde auch ein komplett neuer 27,3 Kilometer langer Abzweigstrang in die 340.000-Einwohner Krim-Hauptstadt Simferopol eröffnet.

Zusammen mit mobilen Kraftwerken ergeben sich daraus vorerst genau diese erforderlichen 1.300 Megawatt, so dass alsbald mit dem Bau zweier weiterer Kraftwerke mit einer Kapazität von zusätzlich je 470 Megawatt begonnen wird. So zügig wie der Fortschritt einer infrastrukturell auf Vordermann gebrachten selbstständigen Krim vonstatten geht, darf auch hier mit einer absehbaren Fertigstellung gerechnet werden. Einmal mehr unterstrich Wladimir Putin dadurch seine Bestrebungen, keinerlei Zweifel mehr an der geopolitischen Situation der Krim aufkommen zu lassen: Die Krim ist Russisch – basta!

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.