Die fünf größten Tiefpunkte von Sotschi [mit Video]

Auch wir können über Sotschi negativ berichten - kein Problem

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Wenn viele deutsche Mainstream-Journalisten zwei Wochen damit verbringen, alles in Sotschi schlecht zu reden oder zu schreiben und nun alle Artikel über die „Olympia-Höhepunkte“ machen, dachten wir uns: Dann müssen wir das wohl umgekehrt tun. Nach viel Olympia-Begeisterung bei russland.RU nun die fünf negativsten Momente aus unserer Sicht:

 

Der traurigste Moment: Julias Sturz

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Sie ist die Eiskunstläuferin der Herzen, die Königin der fliegenden Blumensträuße und Pirouetten, die beste Dame im Mannschaftswettbewerb. Und dann das Kurzprogramm im Einzelwettbewerb und das – Julia Lipnizkaja stürzt. Der Moment in dem ein „oh nein, die Arme“ durch die Eislaufwelt – nicht nur die russische – zog. Denn Julia haben alle lieb und ihre Medaillenträume waren dann für dieses mal vorbei. Aber natürlich: Julia wir lieben Dich alle natürlich weiter 🙂

Die größte Enttäuschung: Ausscheiden der Sbornaja

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Eishockey ist eine der absoluten Top-Sportarten in Russland. Jede Kleinstadt hat ihren Verein und das ganze Land fieberte mit der Sbornaja in Sotschi, die sich jedoch von Anfang an nicht gerade mit Ruhm bekleckerte. Und dann das Aus. Für die Russen die wohl größte Enttäuschung bei der Olympiade im eigenen Land. Man kann immer noch den Nachhall der wütenden Schreie der russischen Eishockeyfans in ihren Wohnzimmern hören.

 

Der schlechteste Musik-Act: Pussy Riots Kosaken-Konzert

Der Kurzauftritt von Pussy Riot auf einem Parkplatz am Rande des Olympiageländes geriet zum Desaster. Die Message war trotz Mikro (angeschalten?) kaum zu verstehen, das Publikum aus Punk-hassenden Kosaken zur falschen Zeit am falschen Ort und am Ende landete die Gitarre im Müll. Auch die Kosaken haben sich hier nicht gerade Ansehen verschafft oder neues Publikum für Chorkonzerte. Verhaftet wurde die Strumpfkombo, die ihre Fans zu 99 % außerhalb Russlands hat, aber übrigens nicht deswegen, sondern im Rahmen eines Hoteldiebstahls.

 

Die verblichene Legende: Jewgeni Pljuschenko

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Schon vor Sotschi war es die Frage – fährt er oder fährt er nicht? Dann fuhr er und jetzt ist es die Frage, ob nicht besser ein anderer gefahren wäre. Denn Pljuschenko musste nicht nur aufgeben. Das an sich wäre nur tragisch gewesen, Irritationen gab es dann aber vor allem durch ein von ihm in recht schlechtem Englisch gegebenen Interview mit dem CNN, aus dem man hätte herauslesen können, dass er nur gezwungermaßen in Sotschi war. Hierdurch wurde er dann zur Propaganda-Gegenoffensive im russischen TV genötigt, wo er vollmundig weitere Olympiateilnahme ankündigte. Wäre eine Trainerlaufbahn jetzt nicht sinnvoller?

 

Die schlechteste Moderation: Gellinek / Poschmann

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Noch nie hat ein Moderatorenteam gleichzeitig so intensiv und so erfolglos versucht, die Athmosphäre einer olympischen Eröffnungsfeier zu zerstören wie Gellinek / Poschmann in Sotschi. Dazu gab es Zettelgesuche und versehentlich angeschaltete Mikrobemerkungen. Ein Zuschauer-Proteststurm war die Folge. Auf diesen gab es natürlich keine offizielle Reaktion, aber man hatte in den Folgetagen plötzlich das Gefühl, man versuche von Seiten der Gebühren-Besoldeten etwas „netter“ zu Russland an sich zu sein. Inzwischen ist wieder alles wie vorher und die guten Vorsätze dahin.

Fotos: (c) 2014 RIA Novosti