Die DTM gastierte in Moskau

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Moskau – Am vergangenen Wochenende war es wieder soweit. Moskau kam in den Genuss einer hochklassig besetzten Automobil-Rennveranstaltung. Die Meisterschaftsanwärter in der Tourenwagenklasse bretterten durch die russische Metropole. Der DTM-Zirkus war wieder in der Stadt und 26.000 Zuschauer waren begeistert. Und um es vorweg zu nehmen, gewonnen hat eh ein alter Hase.

Die Strecke, die die Piloten in ihren Boliden zurück zu legen hatten ist knapp vier Kilometer lang. Bei der Durchfahrung erreichen sie Geschwindigkeiten bis zu 245 km/h. Und das ist verdammt schnell auf einem Kurs, der bei Kennern respektvoll als einer der Anspruchsvollsten gilt. 24 Rennfahrer versuchten sich auf dieser modernen und kurvenreichen Strecke zu behaupten und einige von ihnen rechneten sich durchaus Chancen auf eine gute Platzierung für die Meisterschaft aus. Obwohl der Lokalmatador Vitaly Petrov, die „Rakete von Wyborg“, nicht mehr für die DTM an den Start geht, war der Raceway für Moskau dennoch ein voller Erfolg.

Leicht bedeckter Himmel bei 20 Grad, hervorragende Bedingungen für Fahrer und Teams. Die Formel 3 verzichtet allerdings mittlerweile ganz auf den Kurs in Moskau. Angeblich sei den Teams die Anreise zu umständlich und zu weit gewesen. Die wahren Hintergründe wird man wohl nie erfahren. Der Formel 1 Zirkus jedoch findet diesen Moscow Raceway anspruchsvoll und möchte ihn nicht mehr missen. Das gleiche Statement ist von den Veranstaltern der Deutschen Tourenwagen Meisterschaft, kurz DTM genannt, zu hören, die außerhalb Deutschlands noch zwei weitere Rennstrecken in Holland und Österreich befährt.

Bayrische Sanktionsopfer und schwedische Straßenrüpel

Allerdings, ganz so einfach war es für so manches Team nicht, sich mit den neuerdings herrschenden Verhältnissen zwischen Europa und Russland zurecht zu finden. So wurden dem BMW-Team die mitgeführten Lebensmittel, die für die Crew angedacht waren, vom Zoll an der Grenze beschlagnahmt. Es habe ein gültiges Zertifikat gefehlt, sagte man. Drei Tonnen sanktionierte Güter gedachte man mit einzuführen, von einem Catering-Service organisiert. Jörg Kottmeier, der BMW-Sprecher, betonte, dass der Caterer genauso vorgegangen sei, wie sonst auch. Da hat er wohl die Rechnung ohne den Wirt gemacht, das Weißwurscht-Frühstück war jedenfalls gestrichen.

Aber die Bayrischen Motorenwerke wären nicht BMW, wüsste man sich in solchen Situationen nicht zu helfen. Kurzerhand wurde der Verpflegungsplan auf russische Lebensmittel umgestellt – na also, es geht doch. Außerdem sei russisches Essen sowieso viel nahrhafter, tuschelte man daraufhin in Moskau hinter verhohlener Hand. Genauso turbulent gestaltete sich auch der Vorlauf des Rennens. Der vermeintliche Favorit Mattias Ekström in seinem Audi kollidierte mit Timo Glock, auf BMW, und schied daraufhin aus. Die Partie endete in einem Reifenstapel und es gab noch lange danach ein fürchterliches Gezeter zwischen den beiden Kontrahenten.

Umsichtigkeit hinterm Lenkrad zahlt sich aus

Miguel Molina (Audi) und Tom Blomqvist (BMW) trugen ebenfalls ein privates Problem aus und der leidtragende Dritte hieß Christian Vietoris. Der löschte seinen brennenden Mercedes besser gleich selber. Die wertvollen Punkte heimste indes Pascal Wehrlein mit seinem Mercedes ein. Dieser Pascal Wehrlein sollte auch im Hauptrennen am Sonntag eine tragende Rolle spielen. Wehrlein, der 21-Jährige aus dem baden-württembergischen Sigmaringen, fuhr ein großes, ein starkes Rennen. Zwar nur vom elften Startplatz losgefahren, konnte er sich während des Rennens bis in die allerletzte Runde durchmogeln. Fast hätte er es auch geschafft nach vorn zu kommen, aber die schlechte Startposition kostete dann doch das nötige Quäntchen Glück.

Der strahlende Sieger des Moscow Raceway heißt indes Mike Rockenfeller, ist gelernter Kfz-Mechaniker und lebt im Allgäu. Inzwischen kann er sich getrost das Prädikat „Moskau-Experte“ ans Revers heften. Bereits den Auftakt des Moskau-Rennens konnte er 2012 in der Kreml-Metropole für sich verbuchen. Er war in Moskau einer der ganz wenigen im großen Orchester, der den Überblick behielt, sich geschweige denn provozieren hätte lassen. Cool, lässig, einfach nur souverän brachte er seine Fahrt hinter sich. Der Audi-Pilot hielt sich in einem turbulenten Rennen aus allen Scharmützeln auf der Strecke heraus, nutze seine Pole-Position optimal und landete einen souveränen Start-Ziel-Sieg.

Zweiter auf dem Podest war am Ende der Kanadier Bruno Spengler auf BMW, den dritten Platz belegte Mattias Ekström. Immerhin konnte der Schwede sein Rüpel-Image vom Vortag wieder wettmachen und ist nun nach dem 12. Lauf von 18 in der Saison 2015 der eigentliche Gewinner dieses Rennens. Ekström führt mit 126 Punkten in der Gesamtwertung. Dicht hinter ihm liegt, mit 120 Punkten Pascal Wehrlein. Es bleibt also weiterhin spannend, die noch ausstehenden sechs Läufe werden es zeigen.

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.