Die „Aurora“ kommt zurück – in finsterer Nacht und bei Wind und Wetter

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In der Nacht auf Samstag soll der legendäre Panzerkreuzer „Aurora“ nach der Generalüberholung in Kronstadt an seine „ewige Ankerstelle“ an der Petrograder Uferstraße zurückkehren. Aber nicht mit großem Hallo und festlicher Begleitung, sondern möglichst unbemerkt und ungesehen. Der Grund ist banal: Der Wasserpegel der Newa ist zu niedrig, und bei Nacht und schlechter Witterung sind die Chancen für den Signalgeber der Oktoberrevolution von 1917 größer, unbeschadet am Kai festzumachen.

Die Petersburger erinnern sich mit Freude an den sonnigen Septembertag vor zwei Jahren, als die „Aurora“ mit großem Bahnhof die Newa herunter zur Werft begleitet wurde – Tausende Menschen füllten die Uferstraßen, danach waren die sozialen Netzwerke voll feinster Videos und Fotos von dem Großereignis. Die Rückkehr des Revolutionskreuzers wird genau das Gegenteil von einem fröhlichen Volksfest sein – die Organisatoren der Schleppaktion (die „Aurora“ ist selbständig schon längst nicht mehr manövrierfähig) wählen die dunkelste Stunde der Nacht und das allerschlechteste Wetter. Geradezu konspirativ, als würde es wieder darum gehen, irgendein staatsfeindliches Signal abzugeben.

Bei Nacht und Nebel

Laut dem Stadtportal Fontanka.ru sieht der Rückführungsplan folgendermaßen aus: Freitag um 21 Uhr heißt es „Leinen los“ auf der Werft in Kronstadt; begleitet von vier starken Schleppern macht sich die „Aurora“ auf den Weg durch den Hochwasserdamm und den Meereskanal in die Große Newa; um 01.42 Uhr soll sie die Schlossbrücke passieren und um spätestens halb drei an ihrem angestammten Platz in der Großen Newka festgemacht haben.

Und genau das Fahrwasser des größten Nebenarms der Newa ist der Grund für die Nacht- und Nebelaktion. Dort hat das Schiff mit seinem Tiefgang von fast sechs Metern bei einem Pegelstand von „Normalniveau plus/minus null“ nämlich nur einen Spielraum von zehn Zentimetern, am Ankerplatz sogar noch weniger. Beim Wegschleppen im vorletzten Jahr sei der Kreuzer über den Boden gekratzt und in eine merkliche Schieflage geraten, so Fontanka. Eigentlich hätte der Grund am Liegeplatz ausgehoben werden sollen, aber dazu fanden sich weder Geld und interessierte Unternehmer noch Sponsoren. Also blieb alles beim Alten.

Die Gefahr heißt: Niedrigwasser

Damit alles glatt geht, müsste die Newa einen Pegel von 70 Zentimetern über Normalnull haben, aber zu dieser Jahreszeit ist das kaum zu erwarten. In der Nacht ist der Wasserstand per se etwas höher als tagsüber, außerdem sagen die Wetterfrösche eine steife Brise und Regen voraus. Es soll sogar darüber nachgedacht worden sein, den Hochwasser-Schutzdamm eine Zeitlang schließen, damit sich davor ordentlich viel Wasser ansammelt. Diese Variante wird von der Damm-Leitung aber vehement zurückgewiesen.

Wenn alles nicht hilft, gibt es einen Plan B. Fontanka: „Wenn der Wasserpegel während der Schleppfahrt fallen sollte, wird die „Aurora“ vorübergehend an der Blagoweschtschenski-Brücke am Englischen Ufer festmachen. Laut einer Legende hat sie 1917 genau von diesem Platz aus den Signalschuss abgegeben, dank dem der Panzerkreuzer „Aurora“ für immer in die Geschichte eingegangen ist.“

[sb/russland.NEWS]