Deutsche Wirtschaft in Russland behauptet sich in schwierigem Umfeld

Standorte der Deitsch-Russischen Außenhandelskammer
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Deutsch-Russische Außenhandelskammer (AHK) Moskau. Zwei Drittel der deutschen Firmen rechnen für 2014 mit gleichbleibenden oder besseren Ergebnissen im Russlandgeschäft. Sanktionen: Für knapp ein Viertel der Firmen sind die Regelungen zu Dual-Use-Gütern die größte Herausforderung. Die große Mehrheit der Unternehmen hält Sanktionen für ungeeignet zur Erreichung langfristiger politischer Ziele. Drei Viertel der Unternehmen sind der Überzeugung, dass der russische Markt perspektivisch sehr attraktiv ist.

Knapp zwei Drittel der in einer repräsentativen Umfrage der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) befragten Unternehmen gehen von gleichbleibenden oder – zum Teil stark – steigenden Erlösen bis Jahresende 2014 aus. Dem stehen ein Drittel Unternehmen gegenüber, die Einbrüche um bis zu 50 Prozent und mehr erwarten. „Besonders stark ist der innovative deutsche, zumeist mittelständisch geprägte Maschinen- und Anlagenbau betroffen. Einerseits direkt durch die verhängten EU-Sanktionen oder die Unklarheit ihrer Anwendung, andererseits durch die für russische Auftraggeber deutlich verteuerte Finanzierung, aufgrund der Kreditverknappung und der Rubelabwertung“, erklärt Dr. Volker Treier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages e.V. (DIHK) die Lage.

Fast 80 Prozent der befragten Unternehmen halten die geltenden Wirtschaftssanktionen für nicht wirksam und ungeeignet politische Lösungen herbeizuführen. Ein Drittel der Befragten sind der Meinung, dass Sanktionen trotzdem notwendig, aber geschäftsschädigend sind. Zwei Drittel hingegen halten Sanktionen für nicht notwendig. 24 Prozent der Unternehmen sind am stärksten von den Regelungen für „Dual-Use-Güter“ betroffen, gefolgt von firmenbezogenen und Finanzmarktsanktionen.

Für 58 Prozent der Unternehmen hat der Konflikt in der Ukraine direkte Auswirkungen auf ihre Geschäfte. Allerdings sind bisher nur insgesamt 38 Prozent der Unternehmen von den beiderseitigen Sanktionen betroffen. „Wir sind nicht davon überzeugt, dass man mit Wirtschaftssanktionen langfristig politische Ziele erreichen kann. Unter den gegenwärtigen Umständen erscheinen sie jedoch als ein probates Mittel, alle Parteien an den Verhandlungstisch zu führen“, so Rainer Seele, Präsident der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer.

Die Sanktionen führen zu einer weiteren Verschärfung der ohnehin durch die Rubelabwertung und die konjunkturelle Schwäche angespannten wirtschaftlichen Situation in Russland und zu einem deutlich eingetrübten Geschäftsklima. 71 Prozent der Unternehmen erwarten bis zum Jahresende 2014 eine rezessive oder schlechte wirtschaftliche Entwicklung. Das ist im Vergleich zur Umfrage im Dezember 2013 eine Zunahme um 16 Prozent. Damals antworteten noch 55 Prozent der Unternehmen mit leicht negativ oder negativ.

Wenn sich die Situation weiter verschlechtert oder die Sanktionen lange Bestand haben, sähen sich die Unternehmen gezwungen, Projekte zu stornieren, Kurzarbeit einzuführen, Mitarbeiter zu entlassen oder Russland ganz verlassen zu müssen. „Wir spüren noch keine Veränderungen im Verhältnis zu unseren russischen Geschäftspartnern. Die Hinwendung der Russen nach Asien, ob freiwillig oder gezwungen, ist jedoch eine ganz reale Herausforderung“, zeigt sich Seele besorgt.

Trotz aller politischen Begleitumstände und der anhaltenden militärischen Auseinandersetzung in der Ukraine schätzen nach wie vor etwa drei Viertel der befragten deutschen Firmen das Marktpotential Russlands langfristig als hoch oder sehr hoch ein.