Deutsche Exporte nach Osteuropa steigen stärker als Gesamtausfuhr

Südosteuropa als Wachstumslokomotive/ Bodenbildung bei den Russland-Exporten in Sicht/ Ausfuhren in die Ukraine steigen um fast ein Drittel

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Erstmals seit dem Rekordjahr 2012 wachsen die deutschen Exporte in die vom Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft betreuten Länder wieder stärker als die deutschen Ausfuhren insgesamt. Dies ergab die Auswertung der aktuellen Daten des Statistischen Bundesamts durch den Ost-Ausschuss. Während die deutschen Gesamtausfuhren im ersten Halbjahr 2016 moderat um 1,5 Prozent zulegten, wuchsen die Exporte in die 21 Länder des Ost-Ausschusses demnach im Schnitt um 3,3 Prozent. „Es geht endlich wieder aufwärts“, sagte Ost-Ausschuss-Geschäftsführer Michael Harms zu den aktuellen Zahlen: „Nach zwei rabenschwarzen Jahren geht eine lange Durststrecke zu Ende. Osteuropa ist und bleibt ein Chancenraum für die deutsche Wirtschaft und gewinnt als Absatzmarkt wieder an Gewicht.“ Im Gesamtjahr 2015 waren die deutschen Lieferungen in die 21 Ost-Ausschuss-Länder noch um fast zwölf Prozent zurückgegangen, während der deutsche Export insgesamt um gut sechs Prozent gestiegen war.

Zu der positiven Trendwende trägt vor allem die anhaltend hohe Nachfrage nach deutschen Waren in Südosteuropa bei: Die Ausfuhren nach Rumänien, Serbien und Kroatien legten im ersten Halbjahr 2016 um jeweils rund 14 Prozent zu. „Die Gesamtregion Südosteuropa ist eine echte Wachstumslokomotive für den deutschen Export“, sagte Harms: „Die weiterhin positive wirtschaftliche Entwicklung dort, der hohe Investitions- und Modernisierungsbedarf und die zunehmende Integration der Region mit dem europäischen Binnenmarkt bieten auch in Zukunft gute Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen“.

Unterstützt wurde die positive Entwicklung in der ersten Jahreshälfte durch die sichtbare Erholung der Lage in Russland: Nach einem Rückgang der deutschen Exporte nach Russland von minus 25 Prozent im Jahr 2015 rückt eine Bodenbildung in greifbare Nähe. In den ersten sechs Monaten 2016 lag das Minus bei den Lieferungen nach Russland nur noch bei 3,2 Prozent. Damit waren die deutschen Exporte nach Russland allerdings immer noch um acht Milliarden Euro niedriger als in der ersten Hälfte des Rekordjahres 2012. „Für eine Rückkehr zu den alten Wachstumszahlen sind die Modernisierung und Überwindung der Rohstoffabhängigkeit der russischen Wirtschaft sowie eine politische Wiederannäherung und der Abbau der Sanktionen notwendig“, sagte Harms: „Dazu muss der Minsk-Friedensprozess für die Ost-Ukraine endlich umgesetzt werden, um die politischen Voraussetzungen für eine schrittweise Aufhebung der Sanktionen zu schaffen. Erst dann können die deutschen Exporteure von der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Erholung in Russland profitieren.“

Ein regelrechtes Feuerwerk gab es im ersten Halbjahr 2016 im Export in die Ukraine, der um 31 Prozent stieg. „In der Ukraine trägt der wirtschaftliche Reformprozess erste Früchte, und die Wirtschaft wächst erstmals wieder“, sagte Harms dazu: „Die Lösung des Konflikts in der Ost-Ukraine, die konsequente Fortsetzung des Reformkurses und die weitere Annäherung an die EU könnten hier weitere Schubkraft geben“. Durchwachsen sieht dagegen weiterhin die deutsche Exportbilanz mit Belarus, Zentralasien und dem Südkaukasus aus, wo es teils kräftige Einbrüche gab. Viele Länder dort leiden weiterhin unter der russischen Wirtschaftsschwäche und dem Verfall der Rohstoffpreise.
Trotz des Exportanstiegs ging der deutsche Außenhandel mit den 21 Ost-Ausschuss-Ländern im ersten Halbjahr 2016 um vier Prozent auf 51,8 Milliarden Euro zurück, da die Einfuhren von dort um ein Zehntel niedriger waren als im Vorjahr.