Deutsche Berichterstattung über Russland

Spätestens bei der Berichterstattung über die Olympiade in Sotschi ist es auch dem politisch Uninteressiertesten aufgefallen, dass in den Medien – die öffentlich-rechtlichen eingeschlossen – irgendetwas nicht stimmen kann.

Die Art und Weise, wie über Russland und die Olympiade berichtet wurde, rief lauten und breiten Protest hervor. Die Berichte sollten – wie es einstens guter journalistischer Brauch war – neutral und so objektiv wie möglich Fakten und Nachrichten vermitteln. Stattdessen wurde hämisch auf noch bestehende Mängel hingewiesen, wo es keine gab, wurden welche erfunden, kam man beim besten Willen nicht daran vorbei, Gutes melden zu müssen, wurde süffisant auf mögliche Mängel verwiesen. Die Berichterstatter erlaubten sich, in die Mitteilung von Fakten, ihre persönliche Meinung hineinzupacken – alles wurde mit negativer Konnotation versehen.

Diese Übermittlung von Nachrichten war plump und hetzerisch wie seinerzeit bestimmte Hetzkanäle der DDR – und das fiel dann doch dem Unpolitischsten auf – und damit war der gewünschte Effekt – nämlich die Diskreditierung Russlands – perdue.

Normalerweise ist die Meinungsmache in der Nachrichtenübermittlung – besonders über Russland – wesentlich subtiler: „schmückende“ Beiworte, die selbst gute Nachrichten zweifelhaft erscheinen lassen, werden verwendet, eigentlich neutralen Worten wird durch die Art der Verwendung ein negativer Sinn gegeben (Putinversteher) und Menschen, die es als das Normalste der Welt ansehen, Verständnis zu suchen, werden als subversive Elemente abgekanzelt und in die Ecke gestellt. Im Zweifelsfall wird auch gelogen, denn die Öffenntlichkeit wird die Wahrheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie erfahren – dafür wird man schon sorgen.

Früher galt es im Journalismus als Todsünde, in einer Nachricht eine Meinung zu verstecken. Eine Nachricht – geliebt oder ungeliebt – war neutral, eine Meinung war als solche zu kennzeichnen und von der Nachricht zu trennen, Punktum.

Durch die Vermischung von Nachricht und Meinung soll Letztere in Ihrer Bedeutung aufgewertet werden – denn sie ist ja mit einer objektiven Nachricht verbunden (sofern sie nicht überhaut gelogen ist) – und außerdem verfolgt sie den Zweck, die Meinung des Lesers (Hörers, Zuschauers) in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das nennt man „Meinungsmache“ und bleibt schlecht, auch wenn besagte Macher heute stolz darauf sind, solche zu sein.

Und diese Meinungsmache ist gefährlich und wurde und wird in allen Diktaturen ge(miss)braucht – auch in unserer Mediendiktatur; denn wenn 80% unserer Medien (die öffentlich-rechtlichen eingeschlossen) in der Hand einiger weniger Personen mit gleicher Meinung sind und diese Meinung auf oben aufgezeigte aggressive Weise verbreiten, kann man mit Fug und Recht nur noch von Diktatur sprechen.

Der Politikwissenschaftler Malvin Oppold hat in dem Debatten Magazin »The European« die Situation unserer Presse genauer untersucht.

Malvin Oppold leitet gemeinsam mit David Schlutz den Bereich „Russland & GUS“ bei IFAIR. Gemeinsam veranstalten beide das jährlich stattfindende Forum junger Russlandexperten, welches dem wissenschaftlichen und politischen Austausch dient.
hmw