Deutsch-russische Leuchtturmprojekte

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KASSEL/MOSKAU – Der deutsche Erdgaskonzern Wintershall intensiviert seine Zusammenarbeit mit der russischen Gazprom und erhält direkten Zugriff auf umfangreiche Erdgasvorräte in Sibirien. Wie die beiden Unternehmen am vergangenen Freitag mitteilten, werden sie noch in diesem Jahr einen Asset-Tausch realisieren, der Wintershall die Beteiligung an der Ausbeutung zweier Blöcke der Achimov-Formation in dem Erdgasfeld Urengoi erlaubt.

Der Deal wurde bereits im Jahr 2013 vereinbart, Ende 2014 aber von Moskau wegen der Eskalation des Konflikts mit dem Westen zunächst abgesagt. Seine Wiederaufnahme ermöglicht es der BASF-Tochtergesellschaft Wintershall, ihren Aufstieg in der globalen Erdgasbranche fortzusetzen. Beteiligt ist auch der österreichische Konzern OMV, der seit dem 1. Juli vom vormaligen Wintershall-Vorstandschef Rainer Seele geleitet wird. Gleichzeitig haben sich Gazprom, Wintershall, OMV und weitere Erdgaskonzerne darauf geeinigt, die „Nord Stream“-Pipeline aus Russland nach Deutschland um zwei Stränge zu erweitern. Deutsche Wirtschaftskreise bezeichnen beide Vorhaben explizit als „Leuchtturmprojekte“ und dringen auf eine rasche Re-Intensivierung auch der politischen Kooperation.

Absage aus Moskau

Der Asset-Tausch zwischen Wintershall und Gazprom war ursprünglich schon im Dezember 2013 vereinbart worden; er sollte Ende 2014 in aller Form beschlossen werden. Die notwendigen Genehmigungen aus Berlin und Brüssel lagen bereits Ende 2013 vor; das war recht günstig, da sie nach der Eskalation des Konflikts mit Moskau im Lauf des Jahres 2014 nur mit deutlich größerem politischen Aufwand hätten beschafft werden können. Dennoch platzte das Geschäft im Dezember 2014. Hintergrund war, dass Gazprom damals überraschend das Pipeline-Projekt „South Stream“ angesichts anhaltender Obstruktionen durch die EU einstellte und es durch ein neues Vorhaben mit dem Namen „Turkish Stream“ ersetzte (german-foreign-policy.com berichtete [1]).

Gleichzeitig kündigte Gazprom an, Abstand von der bisherigen Konzernstrategie zu nehmen; diese bestand darin, in der EU nach Möglichkeit alle Stufen der Wertschöpfungskette zu bedienen und damit Profit und Einfluss zu maximieren. Wegen des eskalierenden Konflikts mit dem Westen sei das nicht mehr sinnvoll, hieß es damals aus Moskau, das den geplanten Asset-Tausch folgerichtig Mitte Dezember 2014 absagte. Für Wintershall war die Absage ein schwerer Schlag: Sie bedeutete das Ende der strategisch entscheidenden Bemühungen um direkten Zugriff auf Erdgasquellen Russlands, des Landes mit den größten Lagerstätten überhaupt.

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