Der Putin trifft den Blatter Sepp

Foto: Wikipedia CC BY-SA 3.0/Marcello Casal Jr. Agência BrasilFoto: Wikipedia CC BY-SA 3.0/Marcello Casal Jr. Agência Brasil
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St. Petersburg – In der Newa-Metropole werden die Karten neu gemischt. Pardon, es werden natürlich die Lostöpfe gerührt, um die Paarungen der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 zu ermitteln. Die große Sause findet am kommenden Samstag in, Sie ahnten es, St. Petersburg statt.

Morgen wird an der Newa gerührt und nicht geschüttelt. Der Konstantinov-Palast, dessen Fertigstellung fast zwei Jahrhunderte lang gedauert hat, stellt die prächtige Kulisse für den ersten Schritt zur WM 2018. Die Fertigstellung der um- oder neugebauten Stadien sollte eigentlich nicht gar so viel Zeit in Anspruch nehmen, aber lassen wir das unken besser bleiben. Es steht immerhin Großes an. 141 Fußballverbände aller Nationen harren gebannt der Auslosung wer denn nun gegen wen spielen muss, um einen der 36 begehrten Teilnehmerplätze zu erringen die am Ende den Weltmeister küren könnten.

Das bedeutet: Fast 150 Fußball-Nationalmannschaften werden dann in über 840 Spielen ausfechten, wer neben Russland als gesetzten Gastgeber die Endrunde bestreiten wird. Nicht nur eine große Herausforderung für die nationalen Fußballverbände, sondern auch für die FIFA als Organisator und vor allem Russland als Ausrichter jener, bereits schon jetzt kritisierten, WM 2018. Kein Wunder also, dass die Gästetafel dieser Auslosungs-Veranstaltung einem Gipfeltreffen gleicht.

Ringelpiez an der Newa

Russlands Sportminister Vitali Mutko wird sowieso anwesend sein. Ist ja schließlich sein Job. Und dann wird natürlich Wladimir Putin als russisches Staatsoberhaupt zugegen sein. Ist zwar nicht wirklich sein Job, macht aber gut was her. Tja, und dann kommt noch ein (ge-) wichtiger Besuch aus der Schweiz, der sich aber eh nirgendwo anders mehr hin traut, außer eben nach Russland. Die Rede ist von Sepp Blatter, dem Noch-Vorsitzenden des Fußball-Weltverbands.

Weltweit geschasst, gejagt und, wegen der Korruptionsaffäre bei der FIFA, immer den Gedanken an die Auslieferung an die US-Behörden im Hinterkopf,. Acht seiner „Angestellten“, allesamt Funktionäre auf allen Ebenen, wurden bereits festgenommen. Aber wie das so eben bei der Mafia ist, der Pate… Wir wollen es nicht weiter ausführen. Bevor Sepp Blatter im kommenden Februar vermutlich sowieso als FIFA-Vorstand abgelöst werden wird, solange man ihn nicht doch vorher noch verhaftet, darf er nun die Auftaktzeremonie einer umstrittenen WM dirigieren.

War ja schon lange vor der Ukraine-Krise die Vergabe der Endrunde nach Russland umstritten, nahm der internationale Protest so richtig Fahrt auf, als plötzlich der sommerliche Glutofen Katar aus dem Lostopf gezogen wurde. Es dünkte plötzlich nicht mehr nur, nein, es stank regelrecht nach Korruption. Für den Gastgeber 2018, Russland, wurde durch die Eskalation im Nachbarstaat der Gedanke an eine ganz „normale“ WM-Vergabe schon im Grundsatz niedergerissen. Russland ohne schmieren? Undenkbar!

Schade eigentlich. Für Russland war allein schon die Vergabe einem Feiertag gleichgestellt. Die vehementesten Kritiker werden jetzt vermutlich sagen, schlimm zu arg gesellt sich gern, jetzt mal wieder auf den Blatter Sepp bezogen. Aber gönnen wir den Russen halt einfach ihr Spektakel, fernab jeglicher Anmaßung. Immerhin haben sie lange genug darauf gewartet. Sobald wir wissen, wie die Auslosung vonstatten gegangen ist, werden wir Ihnen natürlich davon berichten. Und vom Stand um die Stadien bis 2018 sowieso. Harren wir also gelassen dem Lauf der Dinge, denn ein bisschen Klatsch und Tratsch haben wir morgen ja auch noch für Sie…

[mb/russland.RU]

Über den Autor

Michael Barth
1961 in Nürnberg geboren und von da aus ab 1979 die große weite Welt erkundet. Die Wege führten anfangs nach Klein- und Mittelasien und waren stets das Ziel. Immer mit im Gepäck, der sehnsüchtige Blick auf die schier unerreichbare UdSSR. Dann fiel der eiserne Vorhang, die Pfade führten nach Nordosten. Durch einen glücklichen Umstand tat sich letztendlich Russland auf. Der berufliche Werdegang verlief zunächst sehr unjournalistisch. Ständig auf der Suche nach neuen Aufgaben und Herausforderungen war nach der Ausbildung zum Kirchenmaler vom Krematoriumsarbeiter bis zum R’n’R Caterer so ziemlich alles dabei, was Abenteuer und Ungewöhnlichkeit versprach. In Russland kam 2008 der Journalismus hinzu. Weltenbummeln und schreiben – perfekt. Zuerst bei einer kleinen Gazette und ab 2012 ernsthaft im Feuilleton bei russland.RU. Seit 2014 dort Chefredakteur.